Unterwegs in Rumänien

Der rumänische Straßenverkehr

Während der Anreise stellte sich mir die Frage wie es der Rumäne mit den Verkehrsregeln, insbesondere den Geschwindigkeitsbegrenzungen, hält. Bereits In Ungarn waren wir in den Ortschaften mit großzügiger Auslegung der 50 km/h ein Verkehrshindernis und wurden bei jeder Gelegenheit überholt. Wie wir das wohl in Rumänien sein? Wird sich dort vielleicht strengstens an die Verkehrsregeln gehalten, weil ständig kontrolliert und abkassiert wird? Ganz anders!
Zunächst sind wir auf der neuen Autobahn beinahe allein. Aber ab Oradea verläuft die DN1 / Europastraße 60 quer durchs Land. Mit etlichen Ortsdurchfahrten. Auch mit knapp 60 km/h bei erlaubten 50 hängt der Sattelzug hinter uns schon (licht)hupend an der unserer Stoßstange. Bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit werden wir überholt.
Später erfahren wir von unseren Gastgebern, dass das in Rumänien der ganz normale Fahrstil ist. Auch die (Nicht)reaktionen des Gegenverkehrs bestätigen das. Keine Lichthupe oder was auch immer, wenn einer auf der linken Spur entgegenkommt und sich schnapp-ab irgendwo reinzwängt. Immer schön mit + 20 km/h dahin rollen und man schwimmt im Stadtverkehr mit. Aber selbst dann wird man hin und wieder noch zackig überholt. Auch die häufigen 30 km/h Begrenzungen in Baustellen oder auf welligen Brücken sind nur Orientierungshilfen.


Gemütliche Ofenwärme mit Hindernissen

Wir wohnen in einem wunderschönen Raum. Darin ein kleineŕ Holzofen. Und wir haben die Zündhölzer, die mit dem blauen EU-Logo. Auch in Rumänien in jedem gut sortierten WTB-Geschäft zu haben. Das wars dann mit kuschligem Kaminfeuer. Diese „Zündhölzer“ zünden egal ob in Deutschland oder sonstwo nur am ersten Tag. Ab dem zweiten Tag geht nichts mehr. Sind wahrscheinlich als Raumluftentfeuchter gedacht. Die Zündkuppe zerteilt sich und die Reibfläche reibt nach mehreren Fehlversuchen nicht mehr. Die Dünger würden wohl auch in der Sahara feucht werden. Zum Glück haben wir noch eine Packung XXL-Kaminhölzer im Reisegepäck. Zum Glück, denn kalte Bude + Frau = ganz schlechtes Karma.


Im Dorf der Steinkäuze

05.10.2021 – Mein Teleobjektiv ist eingetroffen! Dank hilfsbereiter Nachbarn ist das zu Hause vergessene Canon EF 75-300 in Rumänien angekommen. Jetzt kann ich den hier häufigen Steinkäuzen endlich optisch mal so richtig auf die Pelle rücken. Ich denke es hat sich gelohnt.

Die Käuze sind im Gegensatz zu den meisten anderen Eulenvögeln nicht nur nachtaktiv. Am helllichten Tag kann man sie hier im Dorf sehen und hören.

Ruf des Steinkauzes in Voivodeni, Rumänien

Rehe sind hier auf den Feldern häufig zu sehen. Aber es gibt auch den Hirsch. Erstmalig sehen so ein Tier außerhalb eines Zoos oder des bekannten Verkehrsschildes.


Was mit Häusern in Rumänien

Hier mal eine Auswahl verschiedener Häuser auf dem Land.
Es gibt: alte Häuser, neue Häuser, begonnene Häuser, fertiggestellte Häuser, Holzhäuser, Steinhäuser, bewohnte Häuser, leerstehende Häuser, intakte Häuser, verfallene Häuser, große Häuser, kleine Häuser, Häuser im Bau, Häuser nicht mehr im Bau, farbige Häuser, graue Häuser und natürlich Kombinationen derselben.


De vânzare

Reist man durch Rumänen, bekommt man oft den Schriftzug „De Vanzare“ zu sehen. Es braucht keine fundierten Sprachkenntnisse um den Sinn zu erschließen. Meist in Autoscheiben, häufig auch an Häusern oder Grundstücken angebracht, steht das betreffende Objekt zum Verkauf feil.


Corund – Racoș

Corund, ein Dorf mit salzhaltigen Quellen sowie Töpfer- und Holzkunsthandwerk.

Im geologischen Hotspot, dem Basaltsteinbruch „Coloanele de Bazalt de Racoș“ wird 2021 ein Film gedreht. Der Zugang zum Vulkankegel ist nicht möglich. Was für ein Film gedreht wird, ist an den Bauten leicht zu erraten.

Noch fahren die typischen Pferdekarren durch Rumänien. In den Dörfern als ganz normales Transportmittel.


Rupea

Die Burg ist schon von der Hauptstraße aus zu sehen und wird natürlich besucht. Das Brunnenhaus dürfte den Mittelsachsen nicht ganz unbekannt vorkommen.

Immer wieder kann man auf dem Land kleinere und größere Schafherden sehen.


Alte Häuser

Auf der Fahrt von Racoș nach Schäßburg kommen wir durch mehrere Dörfer, die uns mit ihren mächtigen Kirchtürmen aber auch mit verfallenden Häusern beeindrucken. Aber es wird auch saniert. Auf einer Tafel wird erläutert wie es sein und wie es nicht sein soll.


Sighișoara – Schäßburg

Die beeindruckende Altstadt von Sighișoara ist Pflicht, so man in der Gegend ist. Bevor wir Stundturm und Bergkirche besuchen besuchen, kehren wir im Restaurant zur „Alten Post“ ein. In den Kellern eines Bürgerhauses erwartet uns allerfeinste Gastronomie.

In der Altstadt gibt es jede Menge rumänisch-deutsch-ungarische Historie und allgegenwärtig Vlad Tepes auch Vlad III. Sohn des Drachen – Drăculea. – Dracula. Natürlich steigen zur Bergkirche und dem deutschen Lyceum, der Bergschule hinauf.

Auf der Nachhausefahrt wird der rumänische Vorwärtsdrang von einem älteren Dacia etwas ausgebremst. Bergab spritzig, bergauf lässt das Tempo leicht nach und hinter uns juckt es an die 10 Verfolger zum Überholvorgang anzusetzen. Noch fahren einige wenige, der Vorwendemodelle „Dacia 1300“


Ach so,

im Garten haben wir natürlich wieder mit geholfen. Abschließende Arbeiten vor dem Winter. Was daraus wird, wird man erst im nächsten Jahr sehen. Einen über Jahre verwucherten Weinstock haben wir zurück geschnitten. Wir hatten maximale küntlerische Freiheit und unsere Fachwissen aus dem Vorbeifahren an französischen Weinbergen im Februar. Das Folietunnel wurde für die nächste Saison vorbereitet. Tomaten und Paprika raus, es soll später Spinat rein.

Über die Karpaten in die Bukowina und zurück

Übers Wochenende fahren wir in den Nordosten Rumäniens in die Bukowina. Obwohl Luftlinie nur 145 Kilometer, sind es um die Berge herum über 250 Kilometer. Das ist auch gut so, wollen wir doch etwas vom Land sehen. In und über die Karpaten zu fahren ist in Rumänien recht einfach. Umschließt doch der Karpatenbogen einen großen Teil des Landes. Irgendwo am Horizont sind immer hohe Berge zu sehen.

An der Strecke liegt die Bicaz-Klamm. Die Hauptstraße führt direkt zwischen den Felswänden hindurch. An den breiteren Stellen sind die Felsüberhänge durchgängig mit Verkaufsbuden unterbaut. Das gesamte, uns mittlerweile bekannte, rumänische Sortiment wird angeboten. Fellmützen, Holzbesteck, Plastikhunde, Chinazeugs und vieles anders mehr liegt zum Verkauf aus.


Am Sonnabend erreichen wir die berühmten Klöster an der ukrainischen Grenze. Eigentlich bräuchten wir ein bis zwei Tage mehr Zeit um nur einen Bruchteil der Sehenswürdigkeiten in der Gegend zu besuchen. Leider wird es doch nur ein Schnelldurchlauf.

Der Baustil ist immer ähnlich. Eine wehrhafte Mauer umschließt einen gepflegten Innenhof. Im Fall von Sucevița kann man durchaus von festungsähnlichen Ausmaßen sprechen. Mittelpunkt ist stets eine rumänisch-orthodoxe Kirche. Das besondere an diesen Klöstern sind die Außen- und Innenmalereien der Kirchen. Biblische Szenen und Darstellungen aus dem Leben, Wirken und Sterben der Heiligen sind zu sehen. Am martialischsten geht es im Inneren zu. Hier werden die Qualen der Hölle mit allem, was die mittelalterliche Phantasie hergab abgebildet. Aber da ist Fotografieren verboten. Interessant ist, dass die ca. fünfhundert Jahre alten Malereien immer noch ihre Farben bewahrt haben. Angeblich ist deren Rezept bis heute nicht vollständig enträtselt. Am Sonnabend besuchen wir die Klöster Voronet und Sucevița. Danach übernachten wir im Auto auf einer Kiesbank am Flussufer der Moldovița.


Am nächsten Morgen zeigt das Außenthermometer unseres PKW 1°C an. Die Tautropfen auf dem Dach haben den festen Aggregatzustand erreicht. Auf der Zufahrt zum Fluss findet seit dem frühen Morgen der große Wochenmarkt von Moldovița statt und blockiert unseren Rückweg. Direkt daneben fährt eine Schmalspurbahn los. Die auf Tourismus ausgelegten Waggons sind gut besetzt. Wenn man so was im Muldental machen könnte … Schließlich finden wir über den „Hintenwegweg – Hingwagwaach“ zurück auf die Hauptstraße.


Voivodeni heißt das Dorf unserer Wahl für drei Wochen im September/Oktober 2021. Es liegt oberhalb von Târgu Mureș (sprich: Tirgu Muresch oder deutsch: Neumarkt am Mieresch) in Rumänien, nämlich hier:

So, habt Ihr vielleicht gedacht oder befürchtet, da sind sie also hingeraten. Ein Klischee wie es sich aufbauen kann, wenn man von Rumänien nur ein paar negative Berichte aus den letzten dreißig Jahren bekommen hat. Aber Rumänien in der Stadt und auf dem Land sieht ganz anders aus, wenn sich die Regenwolken verzogen haben und man nicht nur den wilden Hof des Nachbarn fotografiert (so wie ich am ersten Tag).


Wir wohnen bei Daniel (Schweizer) und Hermina (rumänische Ungarin). Das Grundstück hat wie viele andere hier im Dorf eine typisch langgestreckte Form. Unsere Unterkunft ist ein kleine Mehrzweckhalle, und sprengt alle aus diesem Jahr bekannten Dimensionen. Den Raum, für kulturelle Veranstaltungen geplant, mit acht Schlafmöglichkeiten, haben wir ganz für uns.


Bevor es richtig mit der Arbeit losgeht ist schon wieder Wochenende. Am Samstag fahren wir ein paar Kilometer über Land nach Sowata und besuchen gleich nebenan in die Salzmine in Praid.
Sowata ist ein Kurort, in dem längst wieder Schicky-Micky Einzug gehalten hat. Moderne Hotels, Boutiquen, Restaurants, Imbiss- und Souvenierbuden reihen sich aneinander. Ein Gebäude hat noch den Kurbad-Flair vergangener Zeiten. Auf dem Wanderweg wird vor Bären nach Sonnenuntergang gewarnt. Tatsächlich finden wir direkt am Parkplatz einen eindeutigen Haufen. Die Holzstege, die das Wandern über sumpfige Stellen erleichtern sollen, haben es in sich. Die Oberfläche hat stellenweise genau die richtige Mischung aus ölig und wässrig. Normales gehen ist auf der geneigten Ebene nicht möglich, Abfahrtslauf schon – ohne Skiausrüstung.


In die Salzmine Praid wird mit dem Bus eingefahren. Am Endpunkt geht es noch einmal eine lange Treppe hinunter bis zum Verbund mehrerer großer Hallen. Wer schon einmal in Merkers war, wird Ähnlichkeiten feststellen. Fittnessgeräte, etliche Tischtennisplatten und kostenpflichtige Kinderbespaßungen stehen bereit. Es gibt sogar eine Kirche mit orthodoxer Verkaufsstelle.

In der Salzmine Praid

Außen am Berg kann man Auswaschungen bestaunen. Gelangt das Salz an die Erdoberfläche formt das Regenwasser bizarre Formen. Scharfkantig und sehr salzig. Fließt das Wasser über Land, gedeihen Pflanzen, wie den Queller, die es sonst am Meeresstrand gibt.

Am Sonntag geht es zum großen Flohmarkt nach Târgu Mureș. Unmengen an Kleidung Schuhen, Werkzeugen, Elektronikschrott, Haushaltsgegenstände … aber auch das eine oder andere Schätzchen sind hier (hoffentlich) zu finden. Wie eben auf jedem anderen Flohmarkt auch.


Der große Garten soll allmählich auf den Winter vorbereitet werden. Allerlei Sorten Tomaten reifen noch im Folietunnel. Einige Bäumchen, die die Beete beschatten werden gerodet. Das halbfertige Frühbeet wird entunkrautet und ich baue eine Schalung für die zu betonierende Oberkante. Wie wir so am Garten arbeiten, ertönen unbekannte Vogelrufe. Dieses Mal sind es nicht die Perlhühner von nebenan. Bis zu drei Steinkäuze hören wir gleichzeitig in der näheren Umgebung. Von wegen Nachtvogel. Am helllichten Tag fliegen sie umher und sitzen auf dem Schornstein. Sogar ohne Teleobjektiv gelingt mir ein halbwegs brauchbares Foto. Das habe ich nämlich zu Hause vergessen. Naturgesetz auf Reisen – irgend etwas fehlt immer. Aber dank hilfsbereiter Nachbarn und DHL soll das Canon 75-300 bald in Rumänien eintreffen.

Das Dorf ist gar nicht nicht so klein. Laut Wikipedia hat Voivodeni ca. 1700 Einwohner, zwei Drittel davon Ungarn, wie unsere Gastgeberin. Kein Wunder, wir sind mitten im Szeklerland. Alles ist zweisprachig rumänisch-ungarisch beschildert. Voivodeni – ungarisch Vajdaszentivány oder auch deutsch Johannisdorf. Im Dorf findet man noch die aus der ungarischen Puszta bekannten Ziehbrunnen. Aber nicht wie im Reiseführer oder Wikipedia beschrieben als touristische Sehenswürdigkeit, sondern im täglichen Gebrauch. Noch sieht man die luftbereiften Pferdewagen in den Dörfern. Aber die lange Zeit für Osteuropa typischen Stufenhecklimousinen sind fast ausgestorben. Schrägheck oder Kombi ist 2021 die Karosserievariante der Wahl. Hin und wieder ist noch ein Dacia aus der alten Zeit zu sehen.

Ach so, Internet kommt hier größtenteils aus der Luft. LTE oder 4G – eine Box ins Fenster gestellt, nur für uns. Spendiert unser Gastgeber, 10 Euro im Monat, 30.000 liegt an, von Datenvolumen habe ich noch nichts gehört. Ach so, der Provider hat ein Symbol mit einen großem T , da gähnt der Rumäne und der Deutsche staunt.

Der seltenste Vogel Europas

Nein, jetzt kommt nichts albernes.
Bei Molln in Oberösterreich stehen 20 schwarze Vögel auf ein Rinderkoppel. Bereits aus dem Auto kann man die langen gebogenen Schnäbel erkennen. Das sind Ibisse rufe ich sofort. Es sind auch Ibisse, aber eine ganz spezielle Art.

Der ehedem in Europa häufige Waldrapp wurde hier im 17. Jahrhundert komplett ausgerottet. Nur in Marokko und er Türkei lebten noch ein paar wenige Vögel in freier Wildbahn. Bei der Wiederansiedlung gab es allerdings ein Problem. Es sind Zugvögel, die von ihren Eltern den Weg in den Süden gezeigt bekommen. Wenn aber ein Schwarm junger Waldrappe in der Steiermark oder sonstwo freigelassen wird, ist keiner da um ihnen den Weg zu zeigen. Wie das sehr kreativ gelöst wurde könnt ihr hier sehen: (Ja, Ö/R-Fernsehen bildet, von wegen „da kommt ja doch nur Scheiß“) ab Min 2:20

Und ganz zum Schluss, am letzten wilden Übernachtungsplatz haben sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht gesagt, es gab auch noch ein Regenbogenbild.

Südoststeiermark, ein bissel Slowenien und ein klein wenig Kärnten

Unser zweiter Gasgeber in Österreich ist ein Hof in der Südoststeiermark, südlich von Graz. Niko und Isa halten im Nebenerwerb eine kleine Herde Krainer Steinschafe, ein paar Hühner und Enten.. Der Hof liegt in einem Tal, gut drei Kilometer abseits vom Dorf. Nicht einmal Google kennt die richtige Zufahrt, und will die Anfahrt über einen holprigen Waldweg leiten. Aber es gibt eine asphaltierte Straße der man nur beharrlich folgen muss. Erst kommen ein paar Bauernhöfe, dann eine Stück Wald, dann wieder ein drei Häuser, dann wieder ein größeres Waldstück. Wenn man dann denkt, hier ist gleich Ende Gelände nur noch ein paar hundert Meter weiterfahren und voilà – sie haben ihr Ziel erreicht. Es ist dann aber auch das vorletzte Haus, ehe die Straße schließlich am Wald endet.

Die Tiere sind täglich zu versorgen. Das beschränkt sich aber zur Zeit auf Futter und Wasser geben, sowie das Geflügel morgens heraus und abends wieder hinein zu lassen. Bei den großen Hühnern wir das mittlerweile von einem automatischen Lukenstellmotor erledigt. Das alte Presshaus soll als Büro- oder Unterkunftsgebäude ertüchtigt werden. Drin steht noch eine alte Obstpresse. Wir hatten dafür plädiert sie als einmaliges dekoratives Element stehen zu lassen. Schließlich wird aber doch die Demontage beschlossen. In den nächsten Tagen sind noch ein paar Fuhren Heu einzubringen. Unsere Mithilfe besteht in der Bedienung des Heukrans. Eine schon ältere aber genial einfache Mechanik. Nur durch Zug am Zugseil wird die Bewegung des Kranes vor und zurück gesteuert. Beladen wird am Boden vom zwei Personen per Hand. Die Entladung erfolgt oben auf dem Heuboden automatisch am vorab eingestellten Platz.

Das erste frei Wochenende nutzen wir wir eine Fahrt nach Kärnten mit Besteigung des großen Speikkogel und Wanderung durch die Altenbachklamm. Na ja, am Berg war es eher eine Wanderung, dafür ging es in der Klamm ganz schön steil bergauf.

Für die zweite Übernachtung führt uns die bereits aus Schweden bewährte App eine kleines Stück an das südliche Ufer der Drau noch Slowenien. Am Rande eines Dorfplatzes kann man direkt am Flussufer parken und übernachten ohne irgendwelchen Ärger zu bekommen. Auf dem angrenzenden Festgelände nimmt am Abend eine slowenische Familienfeier Fahrt auf. Eine große ( 60 ) erklärt den Anlass. Schon bald erklingt beschwingte Livemusik. Slowenische und internationale Schlager erklingen und schwingen ca. 200 Meter über den Fluss. Auf der gegenüberliegenden, österreichischen Seite liegt eine Art Party-Zelt-Floß. Auch auch hier wird zum Tanz aufgespielt. Allerdings dominiert hier Blechblas. Der Musikantenwettstreit mündet in ein wechselseitiges drei-Lieder-Österreich / drei-Lieder-Slowenien Konzert.

Das zweite freie Wochenende wird wegen der zu erwartenden Heueinfuhr auf Freitag/Sonnabend vorverlegt. Unser Ziel liegt dieses mal etwas weiter südlich. Die Wanderung soll durch das Logarska Dolina / Logarska-Tal in Slowenien führen. Ganz am Ende gibt es einen Wasserfall, natürlich mit Geocache. Eigentlich wollten wir zu den höchsten Bergen Sloweniens im Nationalpark Triglav, was aber wegen der längeren Anfahrt verworfen wurde. So erleben wir ein Stück Bilderbuch-Slowenien. Übernachtungsplätze finden wir in malerischer Kulissen an Bergbächen.

Schon wieder was mit Autos

Kurz bevor wir Slowenien verlassen, passieren wir ein imposantes Gebäude. Was da unter dem Vordach und Hinterhof vor sich hin rostet, lässt das Herz des Oldtimerfreundes höher schlagen, oder bluten. Aber sehen sie selbst:

Was es hier sonst noch gibt:

Wir haben wieder Glück und können am Waldrand einen Schwarm Bienenfresser beobachten. Auch interessante Insekten gibt es hier. Wespenspinne und Gottesanbeterin schaffen es nicht mehr rechtzeitig vor der Kameralinse zu fliehen. Auf den Feldern in der Umgebung werden viele Kürbisse angebaut. Das Endprodukt ist hier in der Gegend Kürbiskernöl. In jedem Dorf gibt es mehrere Hofläden. Reines Kürbiskernöl, Klimaneutrales Kürbiskernöl, 100% reines Kürbiskernöl, bestes Kürbiskernöl, alles ist zu haben.


Alte Häuser

Bei unseren Fahrten durch die Südoststeiermark fallen immer wieder unbewohnte Dorfhäuser auf. Vielleicht habe ich ja in letzter Zeit zu viel Dieter Wieland geschaut, denn ich muss einfach diese, vermutlich dem Verfall preisgegebenen Gebäude fotografieren. Die Geometrie und Symmetrie sind beeindruckend.


Im Handwerkerdörfli

Weil wir es noch etwas älter haben wollen, fahren wir ins Handwerkerdörfl Pichla bei Mureck. Wie in manch anderen Museumsdörfern wurden alte Blockbohlenhäuser aus der Umgebung abgebaut und hier wieder aufgebaut. Häuser der Dorfhandwerker, mit Inventar ausgestattet bis hin zur Schule mit Lehrer und Schülern kann man besichtigen und betreten.



Was die hier sonst noch so machen

An Geburtstagen, besonders den runden wird groß und größer gefeiert. Das ist in Deutschland genau so wie in Österreich und anderswo. In Österreich aber ist etwas etwas anders. Diese Jubiläen werden im Vorgarten riesengroß angezeigt. Es geht beim 17. oder 18. Geburtstag los. Da stehe maibaumartige Konstrukte, die die freiwillige Feuerwehr vor Neid erblassen lassen. Meist mit dem Verkehrszeichen „Geschwindigkeitsbegrenzung“ in der entsprechenden Zahl geschmückt. Viel häufiger sind jedoch professionell bedruckte Planen. Ebenfalss mit diesen Schild, dem Text „Unser/e Franzi / Seppl … wird 30 40 50 60 … “ und vielen Bildern des Geburtstagskinds, die man vielleicht so nicht in der Öffentlichkeit sehen möchte.
Also, bei einer Ortsdurchfahrt von vielleicht einem Kilometer sind immer, wirklich immer zwei bis drei solcher Plakate o. ä. zu sehen. Das kann den Verkehrsteilnehmer schon mal verwirren. Auf einer schmalen Siedlungsstraße prangte auch schon einmal eine DIN-gerechte (95) an der Garagenwand.
Die Geburt eines Kindes wird ebenfalls im Vorgarten zelebriert. Ein bis fünf Klapperstörche verkünden Name, Geburtsdatum, Gewicht und Größe des neuen Erdenbürgers.

26.08.2021

Noch zwei/drei Tage mithelfen, dann endet auch das Kapitel Steiermark. Das Presshaus ist entkernt, Schafen, Enten und Hühnern geht es den Umständen entsprechend gut.

Hier für euch alle unser Dauerohrwurm der Augustwochen 2021. Das Lied ist 1984 sogar bis in die DDR vorgedrungen. Ich habe damals geglaubt die meinen Fürstenfeldbruck aus dem Bayern3 Verkehrsfunk. Jetzt, ganz in der Nähe vom richtigen Fürstenfeld und als stolzer Träger einer Lederhose, komme ich mir manchmal auch wie ein „oamer steirer Bua“ hintern Semmering vor. Fühlt sich gar nicht so schlecht an.

An der schönen blauen Donau

Am 16. 07.2021 treffen wir Österreich bei Jasmin und Walter in der Nähe von Linz ein.
Mehrere Projekte stehen zu Umsetzung an:

  • Überdachung der Töpferei, das alte Dach aus Wellbitumen wird allmählich weich
  • Überdachung des Außenbereichs der Töpferei um hier auch bei Regen oder in der kalten Jahreszeit etwas anbieten zu können
  • Verputzen eines nachträglich eingesetzten Fensters für eine gefällige Optik, passend zum Rest Hauses
  • Verputzen oder was-auch-immer der Wand in der Töpferei um auch hier eine schöne Optik zu haben
  • Einzäunung des Hühnerhofes, das aktuell vorhandene Schafnetz hindert die Hühner nicht am Besuch des Nachbargartens
  • Fertigstellung der Außen-Kompost-Toilette
  • und täglich: sechs Ziegen, vier Lamas und die Hühner nebst Küken mit frischen Futter und Wasser versorgen und bei Bedarf eine Ziege melken – glauben sie ja nicht wen sie vor sich haben

Im ersten Brainstorming wurden verschieden Möglichkeiten für die Überdachungen erwogen. Oberste Priorität bekam dann aber kurzfristig der Hühnergartenzaun. (schwedisch: Viltstängsel – ha, ha). Die Pfähle (österreichisch: Steher) wurden schon vor einiger Zeit in Reih und Glied gesetzt. Jetzt müssen nur noch die Ecken noch abgestützt und der neue Zaun montiert werden, fertig. Ach so, eine Türe muss natürlich auch noch rein, sonst wird das nichts mit dem Eier abnehmen. Und ein Rest vom alten Zaun muss noch weg, zum Teil schon drei Maschen tief im Boden eingewachsen. Und noch ein wenig Baufreiheit entlang der Trasse herstellen. Brennnessel und Himbeerbüsche sind seit März schon mannshoch gewachsen.

Gleich nebenan fließt der Pesenbach in einem wildromantischen Tal zur Donau. Das Naturschutzgebiet ist unser erstes Wanderziel. Jede Menge Kraftplätze gibt es hier. Na ja, man muss nur ganz fest daran glauben und dann . . . Die Donau fließt ca. fünf Kilometer entfernt. Eine gute Entfernung für eine sportliche Wanderung oder einen schnellen Fahrradausflug. Am Horizont sind bei guter Sicht die Berge der Voralpen und der imposante Traunstein zu sehen.

7.8.2021

In der Umgebung gibt es jede Menge mittelalterliche Burgruinen. Örtliche Initiativen, die hier meist „Verschönerungsverein“ heißen kümmern sich um die Pflege dieser Objekte. Der Zugang wird hergestellt und gesichert; Infotafeln werden angebracht.. Teilweise recht aufwändige Stahlkonstruktionen ermöglichen den Aufstieg bis zum Bergfried.

Im aufgepeppten Bauwagen hatten eine schöne Unterkunft. Eine schöne Tradition können wir auch hier fortsetzen. Am Straßenrand wird hin und wieder auf (Scheunen-)Flohmärkte hingewiesen. Auch den großen Flohmarkt auf dem Rübenplatz bei Alkoven besuchen wir.

Die geplanten Projekte können wir zum großen Teil realisieren. Bereits nach vier Tagen steht der neue Hühnerzaun, den die Hühner jetzt fast alle respektieren. Das Badezimmerfenster ist nun verputzt und vom Bauernhaus-Original fast nicht zu unterscheiden.. Hühner, Ziegen, Lamas und Enten haben täglich ihr Futter bekommen und hin wieder wurde der Stall ausgemistet. Die Ziegen haben nach zwei Würfen um sechs neue Zicklein vermehrt. Die Überdachungen wurden für spätere Workawayer aufgehoben. Stattdessen wurden einige kleinere Dinge erledigt. Ein klappriges Gartentürchen wurde mit neuem Scharnier und Verstärkungen für die Zukunft ertüchtigt. Der Schutzzaun gegen Lama- Ziegenfraß um den Apfelbaum wurde einen Meter weiter heraus gesetzt. Anja hat mit Jasmin getöpfert und ich habe nach langer Zeit wieder einmal eine Ziege gemolken.

In den vergangenen drei Wochen haben wir auch ganz normalen Österreich-Urlaub gemacht. Klamm- und Bergwanderungen mit Einkehr auf der Almhütte standen an den Wochenenden auf den Programm. Die Donauschleife bei Schlögen habe wir ebenfalls besucht.

Bei einem unserer Burgbesuche treffen wir einen Schwarm von mindestens fünfzig Bienenfressern, die in einer nahe gelegenen Sandgrube gebrütete haben. Am letzten Abend können wir bei bester Fernsicht bis zum toten Gebirge in den Hochalpen blicken.

Sonst noch was? J
Schön war die Donau schon aber nicht blau. Durch die Niederschläge im Juli ist der Wasserstand stark angestiegen und hat eine lehmig braun-gelbe Farbe.

Hochsommer in 5 Tagen – zurück nach Deutschland

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Am 31.05. starten wir zur Rückreise. Geplant sind 5 Etappen zu ~ 400 Kilometern. Genug Zeit, um am Nachmittag noch etwas ansehen zu können. Für den ersten Stopp wurde uns von Jenny und Fredrik der Nationalpark Skuleskogen empfohlen. Nach wenigen Kilometern fotografiere ich sehr zu Anjas Unmut noch einmal alte Autos. Diese Thema hat uns , also eher mich seit der Mitte Schwedens begleitet. Hier ist es eine Art Bauhof, wo nicht PKW sondern eine Garnitur alte LKW schön aufgereiht dasteht. Zum Glück lege ich einen Fotostopp ein! Doch nur so bemerke ich, dass mein Tablett noch in Niemiesel liegt und wir erst wenige Kilometer entfernt sind.

Im Nationalpark Skuleskogen machen wir am Abend eine kleine Rundwanderung. Zunächst auf bestens ausgebauten Bretterstegen, später über Stock und Stein und am Ende einen Abstieg der es in sich hat. Wohlgemerkt, immer auf dem offiziell markierten Wanderweg! Dafür gibt es (wieder einmal) eine fantastische Aussicht auf die Ostsee. Mittelsäger, Samtente und Kanadagänse mit Jungen sind auch vor Ort.

01.06.2021

Wir stehen am Ende eines Waldweges, auf den Klippen über der Ostsee. Bei genauerem Hinsehen fallen einige, in den Felsen gehauene und betonierte Bunker auf.

03.06.2021 – Letzter Stopp in Schweden

Wir übernachten dank der von Susi empfohlenen App wieder einmal auf einem freien Stellplatz zwischen Wald und Düne, dem Stora Kullhög Beach, Örnahusvägen, Borrby. Zunächst sind wir mit unserem bescheidenen Wohnmobil noch allein hier. Doch im Lauf des Abends kommen aber noch vier weitere Fahrzeuge aus Deutschland und Österreich dazu. Darunter auch zwei mit H-Kennzeichen die ebenso wie wir auf bereits wieder auf der Rückreise sind – jetzt wo die Saison richtig losgeht. Der flache, steinige Strand beherbergt etliche Wasservögel.

Am Abend des 04.06.2021 treffen wir im Fährhafen Rostock ein. In den vergangen fünf Tagen sind wir vom Vorfrühling in den Sommer gefahren.

Am Polarkreis

Die letzten drei Wochen bis Ende Mai verbringen wir in Niemisel. Bei unserer Ankunft liegen auch hier noch letzte Reste des Schnees. Knapp zwei Wochen später sind auch diese verschwunden. Wir wohnen bei Jenny und Fredrik mit ihren zwei kleinen Töchtern. Auf dem ehemaligen Hof wird aber keine Landwirtschaft mehr betrieben.

Unsere erste Hauptaufgabe ist die Betreuung eines Wurfs junger Hunde. Fünf kleine Norrbottenspitze müssen wochentags für ein paar Stunden bespaßt werden, wenn Herrchen und Frauchen auf Arbeit sind. Diese für die Region typische Rasse galt zwischenzeitlich als ausgestorben. Vier der Welpen gehen nach einer Woche in neue Hände, nur ein Junges und die Hundemama bleiben da.

An Wohnhaus und Scheuine sind noch ein paar Fenster vom alten Kitt und Farbe zu befreien und wieder neu einzuglasen. Das hat sich dann zu unserer Hauptätigkeit hier entwickelt. Einige Holzteile waren so verrottet, dass ich einen Nachbau herstellen musste.

15.05.2021

Kaum dass wir Niemisel erreicht haben haben, fahren wir noch ein Stück weiter nach Norden, um an das Hauptziel dieser Reise zu gelangen. Bei bei N 66° 33.067 E 022° 19.940 schneidet die Europastraße E10 den nördlichen Polarkreis. Es gibt eine große Tafel mit Erläuterungen. Oder wussten Sie, dass der Polar- oder nördliche Wendekreis ständig ein wenig wandert? Auch ein Gasthof befindet sich nebenan. Auf dem Gelände hinter dem geschlossenem Gasthaus befinden sich natürlich einige Altautos, die definitiv nicht mehr den Status „fahrbereit“ haben. Und natürlich versteckt sich in einer der Tafeln ein Geocache. Wir sind hier schon 1819 Kilometer Luftlinie von Chursdorf weg, aber immer noch 2602 Kilometer vom Nordpol entfernt.

Von jetzt an geht es für uns nur noch nach Süden. Fast jedenfalls. Einige Kilometer weiter gibt es das Arctic Portal. Eine der vielen Loipen kreuzt hier dekorativ den Polarkreis. Mit einigen Hütten und natürlich einem Geocache. Die hundert Meter Fußweg von der Straße sind noch tief verschneit und den Cache konnte ich auch nicht finden.

Aber Seidenschwanz, Braunkehlchen, Kreuzschnabel und und und haben wir gesehen. Der balzende Auerhahn am Straßenrand war leider nicht in Fotostimmung und schneller weg als ich die Kamera bereit hatte.

Der Fluss Råneälven oder kurz Råne (gesprochen: Rhone) fließt wenige Meter hinter dem Haus vorbei. Der Wasserlauf besteht stellenweise aus Stromschnellen, ist dann wieder hunderte Meter breit und von einem See nicht zu unterscheiden. Mitte bis Ende Mai, also jetzt hat er Frühjahreshochwasser. Seit unserer Ankunft kann man dem Wasserspiegel beim Steigen zusehen. Aber das ist Teil des schwedischen Planes. Er ist zwar keiner der vier geschützten Nationalflüsse, hat aber weder Staustufen noch Hochwasserschutz. Jetzt sind die tiefer gelegenen Wiesen und Wege überschwemmt, aus Halbinseln sind Inseln geworden. Häuser werden auf den Überschwemmungsflächen logischerweise nicht gebaut. Mit Ausnahme einiger kleiner Holzhütten, die jetzt einige Zentimeter im Wasser stehen.

24.05.2021 Boden

Die Stadt Boden, ca. 35 km entfernt ist seit über hundert Jahren vom Militär geprägt. Im den Wäldern um die Stadt befinden sich fünf, zwischen 1900 und 1910 erbaute Festungen. Teilweise sind die Außenbereiche einfach so zugänglich. Eine der Festungen kann auch als Museum zu besichtigt werden.

Wir sehen uns Gammelängsberget Fort von unten und oben an. Die Zugänge zum ganz inneren Bereich sind zugemauert. Von oben käme man ran. Schwedische Kletterfreunde haben ein stabiles Gurt an der Wand befestigt. Der Auf- und Abstieg wäre also möglich – theoretisch.

Nach Haparanda – Blick nach Finnland

Am freien Wochenende geht es nach Haparanda. Doch mal schnell rüber von EU-Schweden nach EU-Finnland, um vielleicht einen neuen Geocache-Länderpunkt zu sammeln, ist nicht. Nach Finnland kommt man nur so zum Spaß im Moment gar nicht. Und selbst wenn, ist bei der Wiedereinreise nach Schweden ein negativer Covid-Test vorzuzeigen. Kontrollposten stehen deutlich hinter bzw. vor dem Grenzübergang. Auch der der Versuch einige Kilometer weiter an einer Nebenstraße nur mal so zu schauen endet schnell. Die Straße ist ein wenig abgesperrt und auf finnischer Seite geht soeben ein Polizeiwagen in Stellung. Immerhin sehe ich das Schild, dass es hier nicht nach Schweden reingeht von finnischer Seite.

Auf einem kurzen (weil saukalt und windig) Spaziergang am Grenzfluss Torne Älv sehen wir Zergmöwen, idealerweise zusammen mit Lachmöwen, so dass man die Unterschiede der Beiden Vogelarten gut erkennen kann. Auch ein Paar Pfeifenten und zum allerersten Mal Odinshühnchen können wir beobachten.

Elche usw.

Nach über sechs Wochen Schweden sehen wir unseren elften Elch. Schon bemerkenswert, da von Schwedenfahrern und -autorinnen laut eigener Aussage kein einziger Elch gesichtet wurde. Rentiere sind oft am Straßenrand zu sehen. Das sind dann aber keine ganz wildlebenden Tiere. Oft mit Ohrmarke und Farbmarkierung. Ihre Fluchtdistanz beträgt nur wenige Meter. Die Elche suchen schon ab fünfzig Meter das Weite. Auf der Wiese zwischen Haus und Fluss sind die großen Brachvögel regelmäßig zu Gast und ihre melodischen Rufe zu hören. Kraniche Gänse, Singschwäne, Wasserläufer und viele Limikolen sehen wir täglich.

Auf einer Wiese am Fluss sehen wir eine Eule am Boden sitzen. Laut Buch und Biotop müsste es eine Sumpfohreule sein – schwedisch: Jorduggla. Ich versuche mich auf eine fototaugliche Entfernung anzuschleichen. Die zahlreich umherliegenden Heuballen bieten eine ganz gute Deckung. Aber eine schöne Großaufnahme wird es dann doch nicht. Die Eule war schneller (weg). Nur ein halbwegs passables Flugfoto hat Vorzeigequalität. Der Flussuferläufer ist auch in Deutschland nicht selten. Aber wer hat schon einmal einen gesehen?

27. Mai 2021 Sonnenuntergang kurz vor Mitternacht

Am Abend fahren wir auf einen Berg in der Nähe um den Sonnenuntergang zu genießen. Der findet aktuell gegen 23:00 Uhr statt. Auch danach herrscht für ein paar Stunden eine sehr helle Dämmerung, bis kurz nach 2:00 Uhr die Sonne wieder aufgeht.

29. Mai 2021

Am vorletzten Tag in Niemisel sind wir von unseren Gastgebern zu einer Bootsfahrt auf der Ostsee eingeladen. Der Plastekutter wird aus der Scheune geholt und im fünzig Kilometer entfernten Brändön zu Wasser gelassen. Gemeinsam mit Freund Mads und Familie geht es bis zu einer kleinen Insel, wo typisch schwedisch gepicknickt wird.

Noch viele andere schöne Plätze in der Umgebung haben wir in den letzten drei Wochen besucht. Wasserfälle, Stromschnelle und Wälder. Mittlerweile ist auch im hohen Norden der Frühling angekommen. Innerhalb einer Woche sind die Wiesen satt grün, die Temperaturen von null auf zwanzig Grad gestiegen. Auch die Rauschwalben haben den Polarkreis erreicht.

Noch mal Autos und so

Auch wenn es vielleicht manche nicht interessiert. Hinter jedem schwedischen Haus stehen ein oder mehrere alte Autos herum. Echte Schätzchen oder Rostlaube? Busse wurden auch mehrfach gesichtet.

Schwedisch-Deutsch Deutsch-Schwedisch

Wenn man Schweden bereist und nicht schwedisch kann ist Englisch die erste Wahl. Die Schweden beherrschen diese Sprache hervorragend. Vielleicht auch weil US-Filme nicht synchronisiert werden. Es gibt allenfalls schwedische Untertitel. Mit Ausnahme von Kinder-Zeichentrickfilmen vielleicht. Das kennen wir doch noch? Fernsehen der DDR II – für Freunde der russischen Sprache. Aber die schwedische Sprache ist der deutschen in vielen Wörtern ähnlich oder gleich. Auch englische Begriffe tauchen hin und wieder auf. Wer dann noch plattdeutsch kann ist schon fast aus dem Schneider. Fast – denn vieles was man gedruckt sofort erkennt klingt gesprochen ganz anders. Es eben wie beim Französisch oder Schwyzerdütsch. Manches muss man gar nicht übersetzen, manches macht ratlos und dann gibt es auch die „falschen Freunde“ – Worte die man zu kennen glaubt, die aber ganz etwas anderes bedeuten. Schwedisches Öl schmiert nicht das Auto sondern besteht aus Hopfen, Malz, und Wasser, oder übersetzen sie mal „Taschenlampe“ ins schwedische.
Das „K“ wird hier wie „ch“ oder „sch“ gesprochen. Der Fensterkitt heißt hier auch Fönsterkitt, schwedisch ausgesprochen besteht aber Verwechslungsgefahr mit einem englischen „Bäh-Wort“. Nehmen wir mal ein bekanntes Fortbewegungsmittel her. Vom Automobil bleibt im deutschen oft nur das Auto übrig. Wird übrigens auch im englischsprachigen Raum verstanden. Andere sind viel auf Mobile.de unterwegs. In Schweden reicht die letzte Silbe. Bil und fertig.

Zu einem meiner sprachlichen Lieblingsthemen – wie halten es die Schweden mit dem Deppenapostroph? Ihr wisst schon, das kleine Häkchen oben, das aus „Tinos Werkstatt“ „Tino’s Werkstatt“ macht und „Heidi’s Frisörstübchen“ ziert. Im Englischen wird das hintere „s“ des besitzanzeigenden Genitivs mit eine Häkchen oben abgetrennt. Das ist so richtig, wenn es englisch ist. Im Deutschen ist es falsch. In Schweden ist es mal so, mal so. Manches ist hier mehr als in D US-amerikanisch geprägt. Aber im wesentlichen wird richtig apostrophiert.

Sehr schön ist auf einer Tafel zu sehen, wie es richtig gemacht wird. Aus „Gerdas Schafstall“ wird im schwedischen „Gerdas Fårhus“ und im englischen „Gerda’s sheep house“

Was ihr schon immer wissen wolltet

Was mit Bier …

Alte Skandinavien-Fahrer wissen das alles schon.Wie ist es denn, wenn man mal ein gepflegtes Bierchen oder Weinchen oder gar Schnäpschen trinken will? Man hört da ja so Sachen.In Konsum- und Konsumähnlichen Verkaufsstellen gibt es Getränke bis max. 3,5%. Also Bier in den Abstufungen 0.0 2.5 und 3,5%. Die Preise liegen bei ca. 1€ für 0,5 Liter. Mehr % gibt es im System Bolaget. Das sind staatliche Läden, die nur in Städten vorkommen. Sehr gut sortiert und mit Personal, dessen Dienstkleidung an einen Wachdienst erinnert. Das billigste Tetrapak Wein liegt bei 7 Euro. Das Sortiment mal überschlägig geschätzt beim 2,5fachen des deutschen Niveaus. Wenn man weit draußen auf dem Land wohnt gibt es eine besondere Möglichkeit für den Freund gepflegter Promille. Der Dorfladen nimmt Bestellungen für die Apotheke und System Bolaget an. Seine Aspirin und den Aquavit kann man dann am nächsten Tag abholen.