Gesunda am Gesundaberg

Der 60. Breitengrad liegt hinter uns. Wir sind jetzt 1114 km Luftlinie oder 1411 Straßen-/Fährkilometer von Chursdorf entfernt. Die Provinz Dalarna. Die selbsternannte und ungefähre Mitte von Schweden.


Gesunda am Gesundaberg am … See Siljan. Wir wohnen bei Anna und Harjinder. Unsere Unterkunft ist eine urige Blockhütte. Früher einmal als Lagerhaus auf einer Art Stelzen errichtet gehören viele dieser Hütten zum Ortsbild. Mit den Blockhäusern mutet es wie ein Museumsdorf an. Der Ort ist im Winter und Sommer ein Touristenzentrum. Jetzt ist weder das eine noch das andere, das Wintersportzentrum hat schon geschlossen und es ist sehr ruhig hier. Die Skipiste am Berg ist noch reichlich mit natürlichem und Kunstschnee bedeckt. Was von unten nach einer gemächlichen Wanderung aussieht, ist oben ein steiler Anstieg auf eisglatter Piste. Doch die Aussicht entschädigt für das Hochgekraxel.

Heute liegen die Wintervorräte in der Kühltruhe oder im Supermarkt und diese Hütten werden als Ferien- oder Kinderwohnung genutzt.
Anja hilft in Haus und Garten, während ich ein Kaninchenhaus zu Ende baue, das vor etlichen Monden von Workawayern begonnen wurde. Damit die Karnickel im schwedischen Winter nicht frieren ist es doppelwandig mit Wärmedämmung ausgeführt.

28.04. 2021 Falun

Vielleicht kennt jemand diese Geschichte:
https://de.wikipedia.org/wiki/Unverhofftes_Wiedersehen
Und da Falun nur 90 Kilometer entfernt liegt, wird natürlich die legendäre Kupfermine besucht. Wir fahren nicht ins Bergwerk ein, sondern wandern nur einmal um das Gelände – „the great pit“ herum. Ein großer Einsturz gab der Grube 1687 ihre heutige Form. Das alles und noch viel mehr erfährt man von den Informationstafeln am Rundweg. Die rote Farbe, die den typischen Schwedenhäusern ihr Aussehen verleiht stammt ebenfalls von hier. Falu Rödfärg war eigentlich nur ein Nebenprodukt aus dem Abraum der Kupfermine.

Bei einer etwas orientierungslosen Waldwanderung war es mir vergönnt unseren zweiten Elch zu entdecken Den ersten hatten wir hinter einem Wildzaun an der Hauptstraße bei Skara gesehen. Es waren eigentlich zwei Elche – Elchkuh mit vorjahigem Kalb. Dieses mal genügte die Zeit vom ersten Blickkontakt bis zum Weglaufen der Tiere für ein verwertbares Foto. Natürlich sind mir auch in Gesunda und Umgebung wieder einige mehr oder weniger seltene Vögel vor die Linse geflogen. Die Bachstelze ist wie in Deutschland auch hier ein Allerweltsvogel. Auerhennen stehen oft am Straßenrand und fliegen bei vorbeifahrenden Autos nicht davon. Von unserer Hütte aus haben wir Blick auf eine Wiese am Waldrand. Jeden Abend treten Rehe aus dem Wald heraus

Was dem Erzgebirgler Rachermannl, Schwibbbogen und Pyramide sind dem Mittelschweden die geschnitzten Dalarna-Pferde. Allerorten trifft man hier auf diese Tiere. Vorwiegend in Rot, sind aber auch andere Farben im Angebot, wie der Besuch des Werksverkaufes zeigt.

Donnerstag, 6. Mai 2021

Es geht weiter nach Norden. Nächster Zwischenstopp ist am Njupeskär https://de.wikipedia.org/wiki/Njupesk%C3%A4r, dem höchsten Wasserfall Schwedens. Die Fahrt wird zu einer Reise in den Winter. War bei der Abreise am Morgen in Gesunda die Regentonne von einer dünnen Eisschicht bedeckt, wird es jetzt wieder richtig weiß. Dabei sind wir nur wenige hundert Meter höher und unwesentlich nördlicher. Zunächst beeindrucken uns die weißen Gipfel am Horizont, die wohl schon in Norwegen liegen. Doch dann ist auch links und rechts neben uns alles weiß. Die Straßen sind aber frei, andernfalls hätten wir mit unseren abgenutzten Allwetterreifen keine guten Karten. Am Wasserfall fällt nicht viel. Fast komplett eingefroren hört man nur in der Tiefe etwas rauschen. Eindrucksvoll ist es allemal. Auf dem zwei Kilometer langen Fußweg zum Wasserfall begegnen uns nur zwei weitere Wanderer.

Die Wappenvögel des Parks, die Unglückshäher, (ja, die heißen wirklich so) fliegen kurz vor uns auf und gleiten dann niedrig über den Schnee. Hier reicht meine Reaktionszeit aber nicht für ein Foto, da muss die Infotafel herhalten. Auf der Rückfahrt sehen wir dann noch Hühnervögel, bei denen es sich um Alpenschneehühner handeln müsste.

Eine nützliche App, die uns empfohlen wurde – Danke Susi! – hilft bei der Suche nach einem Übernachtungsplatz. Doch nicht alle Möglichkeiten kommen in Frage. Manchmal sind die Plätze noch tief verschneit. Doch wir haben nach einigen Versuchen Glück und finden schöne Fleckchen am Wasser bzw. Eis. Die Auerhennen stehen jetzt regelmäßig am Straßenrand. Die schwarzen Hähne bekommen wir aber vorerst nicht zu sehen. Doch wir haben Glück. Zwar kein Auer- sondern ein Birkhahn bleibt stehen, bis wir in guter Fotoentfernung sind. Den ersten Rentieren begegnen wir ebenfalls. Frei umher laufend, aber mit Halsband und Ohrmarke markiert, scheinen sie jemanden zu gehören.

Wie halten es die Schweden im April/Mai 2021 mit Corona/Covid19 ?
Die Geschäfte sind alle geöffnet. Auf kreative Weise wird auf Abstandsregeln und die maximale Anzahl der Besucher pro Raum hingewiesen. Masken sieht man eher selten. Plexiglasscheiben an den Ladenkassen dagegen häufiger. Von Ausgangssperren und – begrenzungen haben wir noch nichts gehört, haben aber auch nicht gezielt danach gesucht.

Danke, wer bis hierher gelesen hat. Viele andere Dinge haben wir uns in Dalarna noch angesehen, aber das soll erst einmal genügen.

Auto und Straßen und Verkehr in Schweden

Straßen und Geschwindigkeiten

Die erste Frage, die sich mit dem Erreichen des schwedischen Festlandes stellt – wenn man nicht mit dem Traktor oder Fahrrad einreist – wie schnell darf ich fahren? Auf Autobahnen und autobahnähnlichen Straßen 110 km/h manchmal auch 120. Auf Landstraßen 80, manchmal auch 70 oder 90. Dabei ist nicht die Breite und Qualität der Fahrbahn maßgebend sondern die Wildwechsel- sprich Elchgefahr. Abhängig von Sicht und Einzäunung nach beiden Seiten kann eine 25 Meter breite Straße im Wald auf 70 beschränkt sein. Die gleiche 70 gilt aber aber auch auf einem Schotter-Feldweg mit freier Sicht nach allen Seiten. Blitzer stehen lange Zeit gar nicht, dann wieder geballt aller 5 km und werden in der Regel vorher angekündigt. Nach einem Kamera-Schild steht immer ein fester Blitzer.

Straßen

Die Straßen befinden sich bis auf ganz wenige Ausnahmen in einem hervorragenden Zustand. Das absolute Knaller sind die blitzsauberen Toiletten an der Landstraße. Und die sind beheizt! Drinnen 20°C bei Frost draußen. Rein zufällig führt unsere Fahrtroute durch den Ort Lesjöfors. Der gleichnamige Hersteller von Fahrwerksfedern ist in Carfit-Kreisen wohlbekannt.

Autos

Der gefühlte Anteil von Volvo liegt bei mindestens 50%. Der Rest verteilt sich auf alle anderen Hersteller. Oft sieht man auch noch Saab, die seit 2012 nicht mehr produziert werden.

Viele PKW sind mit großen Zusatzscheinwerfern ausgestattet. Verbaut wird was der Platz vor dem Kühlergrill hergibt. Am meisten anzutreffen ist die ungewöhnliche Anzahl von drei weiteren Lampen. Auch Zwei- und Vierender werden häufig gesichtet. Sogar ein linker Einer kam uns entgegen, Absicht oder Schraube locker? Doch auch hier hält neue Technik Einzug. LED-Lichtleisten lösen die großen runden Strahler ab.

Am auffälligsten sind die relativ vielen US-Fahrzeuge aus der Kategorie „Ami-Schlitten“. Relativ viel bedeutet jetzt nicht, dass man ständig Straßenkreuzern begegnet. Aber bei einer kurzen Fahrt über Land und durch ein paar Ortschaften bekommt immer ein oder zwei Exemplare zu sehen. Am Wochenende auch mehr. Auch der eine oder andere Volvo-Oldtimer ist noch unterwegs.

Restaurierte Fahrzeuge sind in der Minderheit, die gepflegte oder ungepflegte Patina ist der überwiegende Zustand.

Auf was man aufpassen muss

Da ist natürlich der Skandinavien-Klassiker: der Elch. Aber auch Schneemobile kreuzen die Hauptstraßen. Das Eisenbahnwarnschild hat noch keine keine Modernisierung erfahren wie in Deutschland. In Schweden wird noch auf den Gleisen gedampft. Kleinere Wesen sind ebenfalls zu beachten. Ein Sackgassenschild muss nicht immer aufrecht stehen. 90° gedreht heißt das dann „Sackgasse rechts – 100 Meter voraus“ – oder so ähnlich.

Im Gegensatz zu Deutschland – da ist es verboten – werden in Schweden Winterreifen mit Spikes gefahren. Auch jetzt noch, Ende April sind viele Fahrzeuge so unterwegs. Man sieht und hört es vor allen Dingen. Ein rasselndes Geräusch, das ein wenig an Schneeketten erinnert. Elektroautos sind auch unterwegs. Vor allem eine Marke, die nur Elektroautos baut, ist häufiger vertreten.

Auf vielen Grundstücken stehen neben dem Auto für jeden Tag noch weitere Fahrzeuge auf der Wiese herum. Die Bandbreite reicht von „Zweitwagen mal eben auf der Wiese abgestellt“ bis zu Startup Autovertwertung.

Sonst noch was?

Ja, das wäre schon reif für den „Postillon“. :
Unter Laborbedingungen erfolgreich getestet – Fahren mit Sicherheitssabstand ist doch möglich.
In einem größeren, abgegrenzten Bereich, wird seit mehreren Jahren erfolgreich mit dem, aus der Fahrschule bekannten, Mindestabstand gefahren. Von deutschen, französischen und anderen Autofahren bislang für unmöglich erklärt:

  • da komme ich ja nie pünktlich an
  • Halber Tacho? Was soll das sein? 15 Zentimeter?
  • die Schnarchnase vor mir muss mal etwas angeschoben werden
  • Soviel Platz haben unsere Straßen gar nicht

Das Gebiet erhielt von den Forschenden den Arbeitstitel „Königreich Schweden“

Der Sicherheitsabstand wird hier so etwas von eingehalten, dass es schon auffällt.

Fahren mit 75 bei 80? Der Hintermann fährt mit 50 Meter Abstand.
Fahren mit 80 bei 80? Der Hintermann fährt mit 50 Meter Abstand.
Fahren mit 85 bei 80? (Also 85 laut Tacho, das Auto fährt eigentlich nur 79) Der Hintermann fährt mit 50 Meter Abstand. Ausnahmen gibt es natürlich auch. Manchmal ist das Fahrzeug hinten auch noch weiter weg.

Lidaberg 1

In der Gegend von Südschweden, zwischen den Seen Väner und dem Vättern, zwischen den Städten Skara und Skovde. Neben den Wäldern prägen hier Felder und Koppeln die Landschaft. Die eigentlichen Dörfer bestehen nur aus wenigen Häusern, Höfen und der Kirche. Sehr aufgelockert darum gibt es weitere Häuser, einzeln oder in kleinen Grüppchen und Höfe. Und nahezu jedes dieser Häuser, die Höfe sowieso, haben ihren eigenen Straßennamen, der an der Hauptstraße ausgeschildert ist. Wenn wir uns die Namen so anschauen, scheint es sich um alte – oder neue Flurstücksbezeichnungen zu handeln. Das alles kennen wir doch von irgendwoher? Die für uns typischen Falun-Roten Schwedenhäuser bestehen aus einem Wohnhaus, einer Scheune und einem kleinen Schuppen. Ganz so wie wir es vom Michel aus Lönneberga kennen. Der heißt im Original übrigens Emil. Viele der kleineren Häuser wurden nur als Sommarstuga – Sommerhaus genutzt. Sehr gemütlich, aber nicht jedermanns Sache bei zwei Meter Raumhöhe im Erdgeschoss und 1,80 Meter oben. Im Gegensatz zu anderen hochentwickelten Ländern, setzt Schweden schon länger beim Netzausbau auf Glasfaser bis zum Haus. Bei den Entfernungen hier sehr sinnvoll. Leider ist Birgits Anschluss noch nicht aufgeschaltet.

Früher, so nach der letzten Eiszeit lagen hier jede Menge Steine im Wald herum. Dann kam der Mensch und hat die Steine zu Steinkreisen aufgestellt. Nicht ganz so riesig wie in Stonehenge, aber immerhin uralt. Diese Steinkreise sind heute noch da. Dann wollte der Mensch Pflügen, da waren die Steine im Weg. Da hat man sie zu Mauern am Feldrand aufgeschichtet. Diese Mauern sind heute noch da. Wenn dann immer noch Steine übrig waren, wurden sie auf einen großen Haufen geworfen. Manchmal mitten auf dem Feld, weil vermutlich an dieser Stelle der Felsen blank lag. Diese Haufen sind heute noch da.

Drei Wochen waren wir bei Birgit zu Gast. Unsere Unterkunft war eine von zwei Ferienwohnungen in einer ehemaligen Scheune. Noch ist nicht alles fertig. Wir haben Türen gestrichen. Vorbereitungen für den Klempner waren erforderlich. Für den Einbau einer „gut gebrauchten“ Küche haben wir für den Anschluss an Wasser und Abwasser vorbereitet. In Bad WC und Dusche haben wir den Fußboden mit Ölfarbe gestrichen – jeweils 3 Schichten; zuerst mit 40 % Terpentin verdünnt, dann 25% und zuletzt unverdünnt. Dann ist der Klempner draufgelatscht, weil wir keine Geduld hatten. Wir haben bei den ersten Arbeiten den Gartenjahres geholfen. Wie haben Brennholz für den Winter gespaltet. Die Tauchpumpe im Brunnen konnte ich leider nicht in Funktion setzen. Irgendwo ging der Strom seine eigenen Wege, ständig hat der FI-Schutzschalter ausgelöst. Auch meine gut gemeinten Tricks konnten hier nicht helfen.

Unser Bad soll schöner werden! Der Mini-Dusch-WC-Waschmaschinenraum wird vergrößert. Eine Wand musste herausgerissen werden und um die Ecke herum eine neue Wand eingezogen werden. Alles nur Pressspan-Leichtbau. Mit Hammer, Säge und Akkuschrauber ein Tag Arbeit. Die alte Wand war bereits herausgerissen und die ersten Stützen für die neu Wand angeschraubt. Dann kam der Klempner und machte sein Vetorecht geltend. Viel zu klein für die geplante Badewanne. Also war am Ende des Tages die alte Wand wieder drin. Aus den geretteten Resten der alten Wand. Die temporär entfernte Elektroinstallation konnte ich auch wieder in den Urzustand versetzen, inklusive einer Wechselschaltung.

Eine unseren ersten Fragen nach Ankunft war: „Gebt es denn hier in der Nähe einen Flohmarkt?“ – Oh ja, ihr müsst nur auf die Schilder „LOPPIS“ achten. Und wir haben mit großem Erfolg darauf geachtet. Viele Scheunen haben wir besucht und das eine oder andere Schätzchen gefunden. Nun ist es ja nicht so, dass es in Deutschland keine Trödel- und Antiquitätenhändler gibt. Aber hier ist es eine Art Freizeitsport. Aller 5 – 10 km trifft man sicher auf einen Loppis. Kernöffnungszeit Sonntag von 11 bis 15 Uhr.

Da wir zwischen den beiden größten schwedischen Seen, dem Vänern und dem Vättern wohnen, führen uns mehrere Ausflüge dorthin. Auch die näheren Tafelberge, wie das Doppelmassiv Halle- und Hunneberg sehen wir uns an und genießen die großartige Aussicht über das Land und den Vänern. Die Naturreservate und sonstigen Sehenswürdigkeiten sind hervorragend beschildert. Mindestens schwedisch/englisch oft auch noch in deutsch.

Nicht alles, aber sehr, sehr vieles hat hier mit der Eiszeit zu tun. So auch die Landzunge „Hindens rev“ Mehrere Kilometer lang aber nur wenige Meter breit ragt sie in den See hinein. Ein Wanderpfad führt uns bis zur letzten Spitze. Mario bekommt zur Belohnung 17 Geocaches und Anja jede Menge Steine.

Es ist immer noch April und wir sind im Norden. Am Vänern toben zwei Mädchen im Badeanzug durch den See – bis zu den Knien. Da nehme auch ich ein Fußbad bei sechs Grad Wassertemperatur. An einem der milderen Tage begegnen wir am Steinbruch Varnhem drei Jungs. Sie sind nur in Badebekleidung unterwegs. Sie werden doch nicht etwa? Drei Tage später, am Morgen unserer Abreise ist noch einmal alles weiß. Zehn Zentimeter Neuschnee hat es in der Nacht gegeben. Aber die Straßen sind fast schneefrei und wir haben keine Probleme zu unserer nächsten Station, 450 km nördlich, zu kommen.

Hornborgasjön – der Hornborgasee

Wie es der uns wohlgesonnene Zufall so will, befindet sich unsere erste Unterkunft in Schweden nur wenige Minuten vom Hornborgasjön entfernt. Er hat eine Ausdehnung von ca. 2×10 km. Damit ist er unter den vielen Seen Schwedens eher eine kleine Nummer. Aber es ist der Wasservogelsee. Das war war nicht immer so. Von 1800 bis 1930 wurde der Wasserspiegel mehrfach abgesenkt um Ackerland zu gewinnen. Zuletzt blieben nur noch ein paar Tümpel und Kanäle übrig. Seit 1988 wurde auf Reichtstagsbeschluss der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt.

Um den See herum befinden sich mehrere Bebobachtungstürme und -hütten. Die Hauptstation ist das Naturum Hornborgasjön. Umittelbar daneben befindet sich das Cafe zum Haubentaucher und ein Wohnmobilstellplatz. Die Wege zu den Stationen sind manchmal rollstuhlgerecht , führen dann auch wieder kilometerweit über eine überschwemmte Wiese. Zu jeden Beobachtungspunkt gehört ein Parkmöglichkeit mit einem vorbereiteten Grillplatz.

Die öffentlichen zugänglichen Wanderwege führen oft über Viehweiden. Dass Menschen hier rein- und rauskommen, die Rinder aber nicht wird mit drei verschiedenen Konstruktionen ermöglicht:

  • ein kleines Tor, das schräg hängt und von selbst wieder in Richtung Ausgang zufällt
  • ein enger, V-förmiger Durchgang der für einen Erwachsenen eben noch passierbar ist
  • ein Lattenrost als Übergang

Vermutlich auch auf Grund seiner geringen Tiefe von nur 1 – 2 Meter ist der See Brut- und Rastplatz für unzählige Wasservögel. Nicht alle Fotos sind am Hornborgasjön entstanden. Einige Aufnahmen stammen von den beiden großen Nachbarn Vättern und Vänern. Aber alle diese Vögel und noch viel mehr kommen am Hornborgasjön vor.

Ein besonderes Schauspiel ist die Rast der nach Norden ziehenden Kraniche im April jeden Jahres. Und genau diesen Zeitpunkt haben wir im April 2021 zufällig getroffen. Auch auf dem Rückzug im Herbst kommen die Kraniche wieder hier vorbei. Diese Rast gestaltet sich aber nicht ganz so spektakulär wie im Frühjahr. Die Anzahl wird täglich ermittelt und bekannt gegeben.

Ostern im Norden

Lidaberg 1 in Axvall, Distrikt norra Lundby in Schweden – das ist die korrekte Adresse unserer Unterkunft für die ersten zwei/drei Aprilwochen.

Hier wohnt Birgit -unsere Gastgeberin, ehemals Norwegen, jetzt Schweden . Weiterhin Anders, ehemals Dänemark, jetzt meistens hier und Mariano aus Argentinien wwoofer oder workawayer wir wir.

Falunrote Häuser – schwedischer geht es kaum. Wir helfen wie gehabt in Haus und Garten.

Karfreitag 2021 – Der Hornborgasjön, ein weithin bekanntes Wasservogelparadies. Am Karfreitag havben sich hier gefühlt die Hälfte aller skandinavischen Lachmöwen und alle Schweden des näheren Umlandes eingefunden. Tagesparkplatz und Wohnmobilstellplatz sind gut besucht. Die Gäste eilen mit riesigen grauen Teleobjektiven zu den Beobachtungshütten. Ich bin neidisch. Aber den Wert eines Kleinwagens dafür zu investieren ist mir doch zu viel.

06.04.2021, der Dienstag nach Ostern

Wir fahren an die Südspitze des Hornborgasjön. Der dortige Aussichtsturm, weithin sichtbar lädt uns zu einem Blick über die Landschaft ein. Nach einer kurzen Waldwanderung ist uns klar, dass es nur ein rein technischer Funkturm ist. Nix mit schöner Aussicht. Aber eine angenehme Waldwanderung war es allemal.

Auf dem Rückweg wir an die Südspitze des Sees, wo gelegentlich Kraniche zu sehen geben soll. Als wir um die letzte Kurve biegen, verschlägt es uns den Atem. Tausende, jawohl tausende Kraniche, liebe Angler und Jäger, stehen auf den Wiesen und fressen und trompeten nach Kranichart. Sehen sie selbst – es sind ein paar Bilder mehr geworden, aber ich musste immer wieder auf den Auslöser drücken.

07.04.2021

Wir wandern wenige hundert Meter in das nächste Dorf Varnhem. Die eindrucksvolle Kirche steht auf einem alten Klostergelände. Früher und jetzt Station eines Pilgerweges. Nebenan gibt es eine sehr gut gemachte Ausstellung zum Leben hier während der Wikingerzeit vor ca. 1000 Jahren. Das Klostercafe nebenan hat auch noch geöffnet.

Seit einer Woche sind wir jetzt im schwedischen Vorfrühling. Am Morgen haben wir oft noch ein paar Grad minus. Gegen Mittag steigen die Temperaturen auch schon mal auf über zehn Grad. Krokus und Schneeglöckchen blühen allerorten. Ach was, Schneeglocken! Groß wie anderswo die Narzissen, fast. Die Drohne darf auch wieder einmal raus. Die Bilder bekommt auch unsere Gastgeberin Birgit, um sie für ihre Profilseite zu verwenden.

Nach Norden

Falls jemand eine alberne SMS bekommen hat – Kalenderdatum beachten! (Noch) keine Elche weit und breit.

31.03.2021 Mittwoch vor Ostern

Es gibt ein Land, da reicht nur ein Wort.
Pippi Langstrumpf, Nils Holgersson, ABBA, Ikea, Volvo, Stahl, Gardinen, Michel aus Lönneberga. Das waren jetzt viele Worte, aber jedes davon eindeutig.

Die Fährverbindungen von Rostock sind uns aus dem Geographieunterricht der 1980er Jahre wohlbekannt. Aber einfach mitfahren ging nicht. Wenn seinerzeit doch jemand von Südschweden erzählt hat, hatte er es meist bis auf den Dars oder die Insel Rügen geschafft. Jetzt ist es zwar ganz einfach auf die Fähre zu gelangen, aber zur Zeit kommt man in Trelleborg nur mit einem kleinen Zettelchen wieder runter. Diesen konnten wir am Morgen erfolgreich in der Apotheke am Warnowpark erstehen.

Rein in die „Peter Pan“ ging ganz einfach. Anja, Mario, Auto und Buchungsbestätigung. Alles total kontaktlos. Bei der Einreise in Trelleborg wurde dann aber schon jeder Besucher einzeln abgefertigt. Aber wir waren gut vorbereitet.

Am Abend bekamen wir dann auch noch eine weitere Zusage für „work and travel“. Zu unseren zwei bereits bestätigten Hosts für April haben wir jetzt noch einen für Mai in der Gegend von Luleå. Polarkreis – wir kommen! Aber erst einmal helfen wir Birgit aus Axvall in Haus und Garten.

Falls jemand eine alberne SMS bekommen hat – Kalenderdatum beachten! Keine Elche weit und breit.

Turmfalken 2021

Die Turmfalken sind wieder am und im Kasten.
Seit dem 21.03.2021 läuft die Webcam wieder.
Die Linse ist geputzt, die Qualität noch verbesserungsbedürftig.

Hier geht es zur komplette Turmfalkenseite: https://mari0.de/?page_id=174

Warum die auf den Fotos immer so an den Rand gedrängt sitzen weiß ich auch nicht.

Im Tal der Drôme

Wir fahren nach Die. Und natürlich ist die erste Frage „Die?“ Ja, die Stadt heißt Die, wie der-die-das.

Für die geographisch Interessierten:

Im Tal der Drôme

Warum fahren wir nach Die? Nun, das hat sich so ergeben. Wir sind auf der Suche nach einer neuen Unterkunft in Südfrankreich. Idealerweise ein landwirtschaftliches Anwesen, wo wir gegen Mithilfe wohnen und essen können. Also Kost und Logis. Nun war diese Suche in den letzten zwei Wochen leider nicht sehr erfolgreich. Am Anfang wird man von den Treffern auf http://www.workaway.info und http://www.wwoof.fr regelrecht erschlagen. Aber bei näherer Suche und Eingrenzung dünnen sich die Ergebnisse aus. Schließlich haben wir pro Tag einen Gastgeber angeschrieben und bei Nichtantwort am nächsten Tag den nächsten usw. Auf die Gefahr hin, dass wir dann mehrere Zusagen und die Qual der Wahl haben. Wir hatten dann keine Qual und leider auch keine Wahl. Entweder kam keine Antwort vom ach so tollen Weingut oder wir erhielten eine Absage. Am Ende blieb nur noch eine Möglichkeit. Die Freundin eines Schwagers … in diesem Fall die Schulfreundin von Anjas Bruder wohnt doch in Frankreich. Dann fragen wir eben dort an, ob wir vorübergehend unterkommen können. Ja, wir können. Und sie hat auch gleich ein paar Möglichkeiten wo wir uns einbringen können.

Die liegt im Tal der Drôme. Ein Bilderbuchbergfluss in der großartigen Kulisse des Voralpenlandes. Kristallblaues Wasser fließt zu Tal. Eigentlich ist es das helle Kalkgestein im Fluss, dass die tolle Farbe hervorruft. Die erste Bergwanderung führt uns nach Archiane. Eine leichte Tour vor einer riesigen bogenförmigen Felswand. Die hier wieder angesiedelten Lämmergeier kreisen hoch oben in den Aufwinden. Ich versuche alles aus dem Teleobjektiv heraus zu holen. Das Ergebnis … na ja.

Für einige Tage helfen wir Mark und Sandrine. Eine englisch/französische Familie. Das neue Haus braucht noch helfende Hände beim Innenausbau und der Anlage des Gartens. Das Besondere an diesem Haus ist seine Bauweise aus Stroh und Erde. Die Wände sind in Holzständerbauweise errichtet, die Dämmung darin ist Stroh, wie es vom Felde kommt. In einem „Fenster“ kann man in die Wand hineinsehen.

Der Innenputz besteht aus Erde oder eher mehr Lehm wie aus der Baugrube kommt. Auffälligstes Merkmal innen sind die Putzecken. Sie sind alle abgerundet. Der absolute Hingucker im sind zwei Panoramfenster mit Blick über das Tal der Drôme. Und weil beim Hausbau immer noch ein paar Kapazitäten frei sind, ensteht im Garten eine sehr massive Holzhütte für die Dame des Hauses. Wenn wir morgens starten ist oft Eiskratzen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt angesagt. Das Lunch gegen 13:00 Uhr nehmen wir dann bei angenehmen 20 Grad Celsius ein.

Mehrere Wanderungen führen uns in die nähere Umgebung. Entweder an den Fluss, die Drôme oder in eines der Dörfer. Gleich dahinter gibt es Wasserfälle, alte Burgruinen oder Wanderwege vor einer atemberaubenden Bergkulisse.

Am Mittwoch, dem 3.3.2021 fahren wir zum Wandern in ein Hochtal, das Vallon de Combeau. Der letzte erreichbare Parkplatz liegt auf 1400 Meter. Die als Ziel auserkorene Berghütte auf 1600 Meter. Also reichlich Fichtelbergniveau. Es sind etliche Schneefelder zu durchqueren und auch Skifahrer sind hier noch unterwegs.

Am Sonntag sind wir zu einem französsichen Picknick eingeladen. Wir sitzen im Gartern vor einem Chateau. Jeder bringt an Speisen und Getränken mit, was er für richtig hält. Das Buffet ist reichlich gefüllt und dazu gibt es auch noch selbstgemachte Musik und Tanz.

6.2.2021

Hinter der Stadt sieht man schroffe Felswände, mit Schnee auf den Gipfeln aufragen. Da fahren wir jetzt rauf. Die Serpentinen bringen uns auf 1600 Meter Höhe. Unter dem letzten Berggipfel führt ein 700 Meter langes Tunnel auf die andere Seite nach Col de Rousset. Eigentlich führen zwei Tunnel durch den Berg. Eines ist ausgebaut und eines ist gesperrt. Aber es gibt da einen Geocache.

7.2.2021

Oberhalb von Die befindet sich die Felsformation Claps. 1442 sind bei einem Erdbeben große Teile eines Berges in das Tal der Drôme gestürzt und haben diese zu zwei zu Seen angestaut. Das blieb 300 Jahre so. Im siebzehnten Jahrhundert wurden die Seen trockengelegt um die Fläche landwirtschaftlich zu nutzen. Heute ist hier ein Ausflugsziel für Wanderer, Bergsteiger oder einfach nur Picknick.

8.3.2021

Wir fahren noch einmal ein Tal hinauf, in dem wir neulich einen Beobachtungspunkt für die Geier gesehen haben. Und wir haben Glück. Der mehrere hundert Meter entfernte Fütterungsplatz ist gut besucht. In der näheren Umgebung können wir 50 und mehr kreisende Vögel zählen. Die Fotos mit dem Einsteiger-Teleobjektiv sind mittlerweile auch etwas aussagekräftiger. Für die Beobachtung der Vögel, die bekanntlich meist oben fliegen, gibt es hier spezielle Beobachtungs-Liegestühle wie ich sie noch nie gesehen habe.

Wir besuchen nach und nach die Städte der näheren Umgebung. Saillans, Châtillon-en-Diois und und und. In den Gassen der Altstädte fühlen wir uns in die Zeit der Musketiere zurück versetzt. Entweder kommt gleich D’Artagnan um die Ecke gerannt, oder jemand kippt seinen Nachttopf aus einem Fenster.

8.3.2021

Neulich am Bahnübergang. Von Espenel zur Hauptstraße. Erst waren wir da, dann noch ein Auto und ein Traktor und noch zwei Autos und ein Mann mit Krückstock. 10 Minuten später war immer noch geschlossen.Es führt aber kein anderer Weg aus dem Dorf hinaus. Wir sind dann etwas „kreativ“ auf die andere Seite gekommen.

Ein paar Videos gibt es auch noch. Nicht Oscar-verdächtig, nur so wie sie aus der Kamera kamen

Das Dorf Espenel im Tal der Drôme