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Der seltenste Vogel Europas

Nein, jetzt kommt nichts albernes.
Bei Molln in Oberösterreich stehen 20 schwarze Vögel auf ein Rinderkoppel. Bereits aus dem Auto kann man die langen gebogenen Schnäbel erkennen. Das sind Ibisse rufe ich sofort. Es sind auch Ibisse, aber eine ganz spezielle Art.

Der ehedem in Europa häufige Waldrapp wurde hier im 17. Jahrhundert komplett ausgerottet. Nur in Marokko und er Türkei lebten noch ein paar wenige Vögel in freier Wildbahn. Bei der Wiederansiedlung gab es allerdings ein Problem. Es sind Zugvögel, die von ihren Eltern den Weg in den Süden gezeigt bekommen. Wenn aber ein Schwarm junger Waldrappe in der Steiermark oder sonstwo freigelassen wird, ist keiner da um ihnen den Weg zu zeigen. Wie das sehr kreativ gelöst wurde könnt ihr hier sehen: (Ja, Ö/R-Fernsehen bildet, von wegen „da kommt ja doch nur Scheiß“) ab Min 2:20

Und ganz zum Schluss, am letzten wilden Übernachtungsplatz haben sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht gesagt, es gab auch noch ein Regenbogenbild.

Südoststeiermark, ein bissel Slowenien und ein klein wenig Kärnten

Unser zweiter Gasgeber in Österreich ist ein Hof in der Südoststeiermark, südlich von Graz. Niko und Isa halten im Nebenerwerb eine kleine Herde Krainer Steinschafe, ein paar Hühner und Enten.. Der Hof liegt in einem Tal, gut drei Kilometer abseits vom Dorf. Nicht einmal Google kennt die richtige Zufahrt, und will die Anfahrt über einen holprigen Waldweg leiten. Aber es gibt eine asphaltierte Straße der man nur beharrlich folgen muss. Erst kommen ein paar Bauernhöfe, dann eine Stück Wald, dann wieder ein drei Häuser, dann wieder ein größeres Waldstück. Wenn man dann denkt, hier ist gleich Ende Gelände nur noch ein paar hundert Meter weiterfahren und voilà – sie haben ihr Ziel erreicht. Es ist dann aber auch das vorletzte Haus, ehe die Straße schließlich am Wald endet.

Die Tiere sind täglich zu versorgen. Das beschränkt sich aber zur Zeit auf Futter und Wasser geben, sowie das Geflügel morgens heraus und abends wieder hinein zu lassen. Bei den großen Hühnern wir das mittlerweile von einem automatischen Lukenstellmotor erledigt. Das alte Presshaus soll als Büro- oder Unterkunftsgebäude ertüchtigt werden. Drin steht noch eine alte Obstpresse. Wir hatten dafür plädiert sie als einmaliges dekoratives Element stehen zu lassen. Schließlich wird aber doch die Demontage beschlossen. In den nächsten Tagen sind noch ein paar Fuhren Heu einzubringen. Unsere Mithilfe besteht in der Bedienung des Heukrans. Eine schon ältere aber genial einfache Mechanik. Nur durch Zug am Zugseil wird die Bewegung des Kranes vor und zurück gesteuert. Beladen wird am Boden vom zwei Personen per Hand. Die Entladung erfolgt oben auf dem Heuboden automatisch am vorab eingestellten Platz.

Das erste frei Wochenende nutzen wir wir eine Fahrt nach Kärnten mit Besteigung des großen Speikkogel und Wanderung durch die Altenbachklamm. Na ja, am Berg war es eher eine Wanderung, dafür ging es in der Klamm ganz schön steil bergauf.

Für die zweite Übernachtung führt uns die bereits aus Schweden bewährte App eine kleines Stück an das südliche Ufer der Drau noch Slowenien. Am Rande eines Dorfplatzes kann man direkt am Flussufer parken und übernachten ohne irgendwelchen Ärger zu bekommen. Auf dem angrenzenden Festgelände nimmt am Abend eine slowenische Familienfeier Fahrt auf. Eine große ( 60 ) erklärt den Anlass. Schon bald erklingt beschwingte Livemusik. Slowenische und internationale Schlager erklingen und schwingen ca. 200 Meter über den Fluss. Auf der gegenüberliegenden, österreichischen Seite liegt eine Art Party-Zelt-Floß. Auch auch hier wird zum Tanz aufgespielt. Allerdings dominiert hier Blechblas. Der Musikantenwettstreit mündet in ein wechselseitiges drei-Lieder-Österreich / drei-Lieder-Slowenien Konzert.

Das zweite freie Wochenende wird wegen der zu erwartenden Heueinfuhr auf Freitag/Sonnabend vorverlegt. Unser Ziel liegt dieses mal etwas weiter südlich. Die Wanderung soll durch das Logarska Dolina / Logarska-Tal in Slowenien führen. Ganz am Ende gibt es einen Wasserfall, natürlich mit Geocache. Eigentlich wollten wir zu den höchsten Bergen Sloweniens im Nationalpark Triglav, was aber wegen der längeren Anfahrt verworfen wurde. So erleben wir ein Stück Bilderbuch-Slowenien. Übernachtungsplätze finden wir in malerischer Kulissen an Bergbächen.

Schon wieder was mit Autos

Kurz bevor wir Slowenien verlassen, passieren wir ein imposantes Gebäude. Was da unter dem Vordach und Hinterhof vor sich hin rostet, lässt das Herz des Oldtimerfreundes höher schlagen, oder bluten. Aber sehen sie selbst:

Was es hier sonst noch gibt:

Wir haben wieder Glück und können am Waldrand einen Schwarm Bienenfresser beobachten. Auch interessante Insekten gibt es hier. Wespenspinne und Gottesanbeterin schaffen es nicht mehr rechtzeitig vor der Kameralinse zu fliehen. Auf den Feldern in der Umgebung werden viele Kürbisse angebaut. Das Endprodukt ist hier in der Gegend Kürbiskernöl. In jedem Dorf gibt es mehrere Hofläden. Reines Kürbiskernöl, Klimaneutrales Kürbiskernöl, 100% reines Kürbiskernöl, bestes Kürbiskernöl, alles ist zu haben.


Alte Häuser

Bei unseren Fahrten durch die Südoststeiermark fallen immer wieder unbewohnte Dorfhäuser auf. Vielleicht habe ich ja in letzter Zeit zu viel Dieter Wieland geschaut, denn ich muss einfach diese, vermutlich dem Verfall preisgegebenen Gebäude fotografieren. Die Geometrie und Symmetrie sind beeindruckend.


Im Handwerkerdörfli

Weil wir es noch etwas älter haben wollen, fahren wir ins Handwerkerdörfl Pichla bei Mureck. Wie in manch anderen Museumsdörfern wurden alte Blockbohlenhäuser aus der Umgebung abgebaut und hier wieder aufgebaut. Häuser der Dorfhandwerker, mit Inventar ausgestattet bis hin zur Schule mit Lehrer und Schülern kann man besichtigen und betreten.



Was die hier sonst noch so machen

An Geburtstagen, besonders den runden wird groß und größer gefeiert. Das ist in Deutschland genau so wie in Österreich und anderswo. In Österreich aber ist etwas etwas anders. Diese Jubiläen werden im Vorgarten riesengroß angezeigt. Es geht beim 17. oder 18. Geburtstag los. Da stehe maibaumartige Konstrukte, die die freiwillige Feuerwehr vor Neid erblassen lassen. Meist mit dem Verkehrszeichen „Geschwindigkeitsbegrenzung“ in der entsprechenden Zahl geschmückt. Viel häufiger sind jedoch professionell bedruckte Planen. Ebenfalss mit diesen Schild, dem Text „Unser/e Franzi / Seppl … wird 30 40 50 60 … “ und vielen Bildern des Geburtstagskinds, die man vielleicht so nicht in der Öffentlichkeit sehen möchte.
Also, bei einer Ortsdurchfahrt von vielleicht einem Kilometer sind immer, wirklich immer zwei bis drei solcher Plakate o. ä. zu sehen. Das kann den Verkehrsteilnehmer schon mal verwirren. Auf einer schmalen Siedlungsstraße prangte auch schon einmal eine DIN-gerechte (95) an der Garagenwand.
Die Geburt eines Kindes wird ebenfalls im Vorgarten zelebriert. Ein bis fünf Klapperstörche verkünden Name, Geburtsdatum, Gewicht und Größe des neuen Erdenbürgers.

26.08.2021

Noch zwei/drei Tage mithelfen, dann endet auch das Kapitel Steiermark. Das Presshaus ist entkernt, Schafen, Enten und Hühnern geht es den Umständen entsprechend gut.

Hier für euch alle unser Dauerohrwurm der Augustwochen 2021. Das Lied ist 1984 sogar bis in die DDR vorgedrungen. Ich habe damals geglaubt die meinen Fürstenfeldbruck aus dem Bayern3 Verkehrsfunk. Jetzt, ganz in der Nähe vom richtigen Fürstenfeld und als stolzer Träger einer Lederhose, komme ich mir manchmal auch wie ein „oamer steirer Bua“ hintern Semmering vor. Fühlt sich gar nicht so schlecht an.

An der schönen blauen Donau

Am 16. 07.2021 treffen wir Österreich bei Jasmin und Walter in der Nähe von Linz ein.
Mehrere Projekte stehen zu Umsetzung an:

  • Überdachung der Töpferei, das alte Dach aus Wellbitumen wird allmählich weich
  • Überdachung des Außenbereichs der Töpferei um hier auch bei Regen oder in der kalten Jahreszeit etwas anbieten zu können
  • Verputzen eines nachträglich eingesetzten Fensters für eine gefällige Optik, passend zum Rest Hauses
  • Verputzen oder was-auch-immer der Wand in der Töpferei um auch hier eine schöne Optik zu haben
  • Einzäunung des Hühnerhofes, das aktuell vorhandene Schafnetz hindert die Hühner nicht am Besuch des Nachbargartens
  • Fertigstellung der Außen-Kompost-Toilette
  • und täglich: sechs Ziegen, vier Lamas und die Hühner nebst Küken mit frischen Futter und Wasser versorgen und bei Bedarf eine Ziege melken – glauben sie ja nicht wen sie vor sich haben

Im ersten Brainstorming wurden verschieden Möglichkeiten für die Überdachungen erwogen. Oberste Priorität bekam dann aber kurzfristig der Hühnergartenzaun. (schwedisch: Viltstängsel – ha, ha). Die Pfähle (österreichisch: Steher) wurden schon vor einiger Zeit in Reih und Glied gesetzt. Jetzt müssen nur noch die Ecken noch abgestützt und der neue Zaun montiert werden, fertig. Ach so, eine Türe muss natürlich auch noch rein, sonst wird das nichts mit dem Eier abnehmen. Und ein Rest vom alten Zaun muss noch weg, zum Teil schon drei Maschen tief im Boden eingewachsen. Und noch ein wenig Baufreiheit entlang der Trasse herstellen. Brennnessel und Himbeerbüsche sind seit März schon mannshoch gewachsen.

Gleich nebenan fließt der Pesenbach in einem wildromantischen Tal zur Donau. Das Naturschutzgebiet ist unser erstes Wanderziel. Jede Menge Kraftplätze gibt es hier. Na ja, man muss nur ganz fest daran glauben und dann . . . Die Donau fließt ca. fünf Kilometer entfernt. Eine gute Entfernung für eine sportliche Wanderung oder einen schnellen Fahrradausflug. Am Horizont sind bei guter Sicht die Berge der Voralpen und der imposante Traunstein zu sehen.

7.8.2021

In der Umgebung gibt es jede Menge mittelalterliche Burgruinen. Örtliche Initiativen, die hier meist „Verschönerungsverein“ heißen kümmern sich um die Pflege dieser Objekte. Der Zugang wird hergestellt und gesichert; Infotafeln werden angebracht.. Teilweise recht aufwändige Stahlkonstruktionen ermöglichen den Aufstieg bis zum Bergfried.

Im aufgepeppten Bauwagen hatten eine schöne Unterkunft. Eine schöne Tradition können wir auch hier fortsetzen. Am Straßenrand wird hin und wieder auf (Scheunen-)Flohmärkte hingewiesen. Auch den großen Flohmarkt auf dem Rübenplatz bei Alkoven besuchen wir.

Die geplanten Projekte können wir zum großen Teil realisieren. Bereits nach vier Tagen steht der neue Hühnerzaun, den die Hühner jetzt fast alle respektieren. Das Badezimmerfenster ist nun verputzt und vom Bauernhaus-Original fast nicht zu unterscheiden.. Hühner, Ziegen, Lamas und Enten haben täglich ihr Futter bekommen und hin wieder wurde der Stall ausgemistet. Die Ziegen haben nach zwei Würfen um sechs neue Zicklein vermehrt. Die Überdachungen wurden für spätere Workawayer aufgehoben. Stattdessen wurden einige kleinere Dinge erledigt. Ein klappriges Gartentürchen wurde mit neuem Scharnier und Verstärkungen für die Zukunft ertüchtigt. Der Schutzzaun gegen Lama- Ziegenfraß um den Apfelbaum wurde einen Meter weiter heraus gesetzt. Anja hat mit Jasmin getöpfert und ich habe nach langer Zeit wieder einmal eine Ziege gemolken.

In den vergangenen drei Wochen haben wir auch ganz normalen Österreich-Urlaub gemacht. Klamm- und Bergwanderungen mit Einkehr auf der Almhütte standen an den Wochenenden auf den Programm. Die Donauschleife bei Schlögen habe wir ebenfalls besucht.

Bei einem unserer Burgbesuche treffen wir einen Schwarm von mindestens fünfzig Bienenfressern, die in einer nahe gelegenen Sandgrube gebrütete haben. Am letzten Abend können wir bei bester Fernsicht bis zum toten Gebirge in den Hochalpen blicken.

Sonst noch was? J
Schön war die Donau schon aber nicht blau. Durch die Niederschläge im Juli ist der Wasserstand stark angestiegen und hat eine lehmig braun-gelbe Farbe.