Voivodeni heißt das Dorf unserer Wahl für drei Wochen im September/Oktober 2021. Es liegt oberhalb von Târgu Mureș (sprich: Tirgu Muresch oder deutsch: Neumarkt am Mieresch) in Rumänien, nämlich hier:

So, habt Ihr vielleicht gedacht oder befürchtet, da sind sie also hingeraten. Ein Klischee wie es sich aufbauen kann, wenn man von Rumänien nur ein paar negative Berichte aus den letzten dreißig Jahren bekommen hat. Aber Rumänien in der Stadt und auf dem Land sieht ganz anders aus, wenn sich die Regenwolken verzogen haben und man nicht nur den wilden Hof des Nachbarn fotografiert (so wie ich am ersten Tag).


Wir wohnen bei Daniel (Schweizer) und Hermina (rumänische Ungarin). Das Grundstück hat wie viele andere hier im Dorf eine typisch langgestreckte Form. Unsere Unterkunft ist ein kleine Mehrzweckhalle, und sprengt alle aus diesem Jahr bekannten Dimensionen. Den Raum, für kulturelle Veranstaltungen geplant, mit acht Schlafmöglichkeiten, haben wir ganz für uns.


Bevor es richtig mit der Arbeit losgeht ist schon wieder Wochenende. Am Samstag fahren wir ein paar Kilometer über Land nach Sowata und besuchen gleich nebenan in die Salzmine in Praid.
Sowata ist ein Kurort, in dem längst wieder Schicky-Micky Einzug gehalten hat. Moderne Hotels, Boutiquen, Restaurants, Imbiss- und Souvenierbuden reihen sich aneinander. Ein Gebäude hat noch den Kurbad-Flair vergangener Zeiten. Auf dem Wanderweg wird vor Bären nach Sonnenuntergang gewarnt. Tatsächlich finden wir direkt am Parkplatz einen eindeutigen Haufen. Die Holzstege, die das Wandern über sumpfige Stellen erleichtern sollen, haben es in sich. Die Oberfläche hat stellenweise genau die richtige Mischung aus ölig und wässrig. Normales gehen ist auf der geneigten Ebene nicht möglich, Abfahrtslauf schon – ohne Skiausrüstung.


In die Salzmine Praid wird mit dem Bus eingefahren. Am Endpunkt geht es noch einmal eine lange Treppe hinunter bis zum Verbund mehrerer großer Hallen. Wer schon einmal in Merkers war, wird Ähnlichkeiten feststellen. Fittnessgeräte, etliche Tischtennisplatten und kostenpflichtige Kinderbespaßungen stehen bereit. Es gibt sogar eine Kirche mit orthodoxer Verkaufsstelle.

In der Salzmine Praid

Außen am Berg kann man Auswaschungen bestaunen. Gelangt das Salz an die Erdoberfläche formt das Regenwasser bizarre Formen. Scharfkantig und sehr salzig. Fließt das Wasser über Land, gedeihen Pflanzen, wie den Queller, die es sonst am Meeresstrand gibt.

Am Sonntag geht es zum großen Flohmarkt nach Târgu Mureș. Unmengen an Kleidung Schuhen, Werkzeugen, Elektronikschrott, Haushaltsgegenstände … aber auch das eine oder andere Schätzchen sind hier (hoffentlich) zu finden. Wie eben auf jedem anderen Flohmarkt auch.


Der große Garten soll allmählich auf den Winter vorbereitet werden. Allerlei Sorten Tomaten reifen noch im Folietunnel. Einige Bäumchen, die die Beete beschatten werden gerodet. Das halbfertige Frühbeet wird entunkrautet und ich baue eine Schalung für die zu betonierende Oberkante. Wie wir so am Garten arbeiten, ertönen unbekannte Vogelrufe. Dieses Mal sind es nicht die Perlhühner von nebenan. Bis zu drei Steinkäuze hören wir gleichzeitig in der näheren Umgebung. Von wegen Nachtvogel. Am helllichten Tag fliegen sie umher und sitzen auf dem Schornstein. Sogar ohne Teleobjektiv gelingt mir ein halbwegs brauchbares Foto. Das habe ich nämlich zu Hause vergessen. Naturgesetz auf Reisen – irgend etwas fehlt immer. Aber dank hilfsbereiter Nachbarn und DHL soll das Canon 75-300 bald in Rumänien eintreffen.

Das Dorf ist gar nicht nicht so klein. Laut Wikipedia hat Voivodeni ca. 1700 Einwohner, zwei Drittel davon Ungarn, wie unsere Gastgeberin. Kein Wunder, wir sind mitten im Szeklerland. Alles ist zweisprachig rumänisch-ungarisch beschildert. Voivodeni – ungarisch Vajdaszentivány oder auch deutsch Johannisdorf. Im Dorf findet man noch die aus der ungarischen Puszta bekannten Ziehbrunnen. Aber nicht wie im Reiseführer oder Wikipedia beschrieben als touristische Sehenswürdigkeit, sondern im täglichen Gebrauch. Noch sieht man die luftbereiften Pferdewagen in den Dörfern. Aber die lange Zeit für Osteuropa typischen Stufenhecklimousinen sind fast ausgestorben. Schrägheck oder Kombi ist 2021 die Karosserievariante der Wahl. Hin und wieder ist noch ein Dacia aus der alten Zeit zu sehen.

Ach so, Internet kommt hier größtenteils aus der Luft. LTE oder 4G – eine Box ins Fenster gestellt, nur für uns. Spendiert unser Gastgeber, 10 Euro im Monat, 30.000 liegt an, von Datenvolumen habe ich noch nichts gehört. Ach so, der Provider hat ein Symbol mit einen großem T , da gähnt der Rumäne und der Deutsche staunt.

2 Gedanken zu „O zi buna Vlad Țepeș

  1. Thomas Schröter

    ….schön wieder von euch und euren Eindrücken was zu sehen ….zu lesen und zu hören.
    Dort wo ihr seit ist bestimmt die Uhr bzw. Zeit stehen geblieben. Aber alles so schön Ulrich.
    Seit ihr direkt von A nach Rumänien weiergezogen oder war da noch ein Stopp in HU.
    Bei uns in STL und C und den restlichen D gibt es nicht viel neues.
    Am Wochenende geht die alte Truppe unter Führung von KL mal auf Wanderschaft. Start ist beim Wünsch in MW und dann den Zschopautal entlang bis zu einer alten Fähre.
    So lasst es euch weiterhin gut gehen und bleibt gesund.
    Viele schöne Eindrücke wünsche ich euch weiterhin.
    Bis bald der Schröti

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    1. Mario Beitragsautor

      Hallo Schröti,
      wir waren im September drei Wochen zu Hause. Termine, Termine – bei Familie und in Haus und Garten.
      Letzten Mittwoch sind wir dann von D über CZ und SK und HU hierher gefahren. Ich habe es aber nicht geschafft in SK einen Cache-Länderpunkt mitzunehmen. Grüß mir die Wandervögel, wir werden am Wochenende in den Karpaten unterwegs sein.
      Gruß Mario

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