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Unterwegs in Rumänien

Der rumänische Straßenverkehr

Während der Anreise stellte sich mir die Frage wie es der Rumäne mit den Verkehrsregeln, insbesondere den Geschwindigkeitsbegrenzungen, hält. Bereits In Ungarn waren wir in den Ortschaften mit großzügiger Auslegung der 50 km/h ein Verkehrshindernis und wurden bei jeder Gelegenheit überholt. Wie wir das wohl in Rumänien sein? Wird sich dort vielleicht strengstens an die Verkehrsregeln gehalten, weil ständig kontrolliert und abkassiert wird? Ganz anders!
Zunächst sind wir auf der neuen Autobahn beinahe allein. Aber ab Oradea verläuft die DN1 / Europastraße 60 quer durchs Land. Mit etlichen Ortsdurchfahrten. Auch mit knapp 60 km/h bei erlaubten 50 hängt der Sattelzug hinter uns schon (licht)hupend an der unserer Stoßstange. Bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit werden wir überholt.
Später erfahren wir von unseren Gastgebern, dass das in Rumänien der ganz normale Fahrstil ist. Auch die (Nicht)reaktionen des Gegenverkehrs bestätigen das. Keine Lichthupe oder was auch immer, wenn einer auf der linken Spur entgegenkommt und sich schnapp-ab irgendwo reinzwängt. Immer schön mit + 20 km/h dahin rollen und man schwimmt im Stadtverkehr mit. Aber selbst dann wird man hin und wieder noch zackig überholt. Auch die häufigen 30 km/h Begrenzungen in Baustellen oder auf welligen Brücken sind nur Orientierungshilfen.


Gemütliche Ofenwärme mit Hindernissen

Wir wohnen in einem wunderschönen Raum. Darin ein kleineŕ Holzofen. Und wir haben die Zündhölzer, die mit dem blauen EU-Logo. Auch in Rumänien in jedem gut sortierten WTB-Geschäft zu haben. Das wars dann mit kuschligem Kaminfeuer. Diese „Zündhölzer“ zünden egal ob in Deutschland oder sonstwo nur am ersten Tag. Ab dem zweiten Tag geht nichts mehr. Sind wahrscheinlich als Raumluftentfeuchter gedacht. Die Zündkuppe zerteilt sich und die Reibfläche reibt nach mehreren Fehlversuchen nicht mehr. Die Dünger würden wohl auch in der Sahara feucht werden. Zum Glück haben wir noch eine Packung XXL-Kaminhölzer im Reisegepäck. Zum Glück, denn kalte Bude + Frau = ganz schlechtes Karma.


Im Dorf der Steinkäuze

05.10.2021 – Mein Teleobjektiv ist eingetroffen! Dank hilfsbereiter Nachbarn ist das zu Hause vergessene Canon EF 75-300 in Rumänien angekommen. Jetzt kann ich den hier häufigen Steinkäuzen endlich optisch mal so richtig auf die Pelle rücken. Ich denke es hat sich gelohnt.

Die Käuze sind im Gegensatz zu den meisten anderen Eulenvögeln nicht nur nachtaktiv. Am helllichten Tag kann man sie hier im Dorf sehen und hören.

Ruf des Steinkauzes in Voivodeni, Rumänien

Rehe sind hier auf den Feldern häufig zu sehen. Aber es gibt auch den Hirsch. Erstmalig sehen so ein Tier außerhalb eines Zoos oder des bekannten Verkehrsschildes.


Was mit Häusern in Rumänien

Hier mal eine Auswahl verschiedener Häuser auf dem Land.
Es gibt: alte Häuser, neue Häuser, begonnene Häuser, fertiggestellte Häuser, Holzhäuser, Steinhäuser, bewohnte Häuser, leerstehende Häuser, intakte Häuser, verfallene Häuser, große Häuser, kleine Häuser, Häuser im Bau, Häuser nicht mehr im Bau, farbige Häuser, graue Häuser und natürlich Kombinationen derselben.


De vânzare

Reist man durch Rumänen, bekommt man oft den Schriftzug „De Vanzare“ zu sehen. Es braucht keine fundierten Sprachkenntnisse um den Sinn zu erschließen. Meist in Autoscheiben, häufig auch an Häusern oder Grundstücken angebracht, steht das betreffende Objekt zum Verkauf feil.


Corund – Racoș

Corund, ein Dorf mit salzhaltigen Quellen sowie Töpfer- und Holzkunsthandwerk.

Im geologischen Hotspot, dem Basaltsteinbruch „Coloanele de Bazalt de Racoș“ wird 2021 ein Film gedreht. Der Zugang zum Vulkankegel ist nicht möglich. Was für ein Film gedreht wird, ist an den Bauten leicht zu erraten.

Noch fahren die typischen Pferdekarren durch Rumänien. In den Dörfern als ganz normales Transportmittel.


Rupea

Die Burg ist schon von der Hauptstraße aus zu sehen und wird natürlich besucht. Das Brunnenhaus dürfte den Mittelsachsen nicht ganz unbekannt vorkommen.

Immer wieder kann man auf dem Land kleinere und größere Schafherden sehen.


Alte Häuser

Auf der Fahrt von Racoș nach Schäßburg kommen wir durch mehrere Dörfer, die uns mit ihren mächtigen Kirchtürmen aber auch mit verfallenden Häusern beeindrucken. Aber es wird auch saniert. Auf einer Tafel wird erläutert wie es sein und wie es nicht sein soll.


Sighișoara – Schäßburg

Die beeindruckende Altstadt von Sighișoara ist Pflicht, so man in der Gegend ist. Bevor wir Stundturm und Bergkirche besuchen besuchen, kehren wir im Restaurant zur „Alten Post“ ein. In den Kellern eines Bürgerhauses erwartet uns allerfeinste Gastronomie.

In der Altstadt gibt es jede Menge rumänisch-deutsch-ungarische Historie und allgegenwärtig Vlad Tepes auch Vlad III. Sohn des Drachen – Drăculea. – Dracula. Natürlich steigen zur Bergkirche und dem deutschen Lyceum, der Bergschule hinauf.

Auf der Nachhausefahrt wird der rumänische Vorwärtsdrang von einem älteren Dacia etwas ausgebremst. Bergab spritzig, bergauf lässt das Tempo leicht nach und hinter uns juckt es an die 10 Verfolger zum Überholvorgang anzusetzen. Noch fahren einige wenige, der Vorwendemodelle „Dacia 1300“


Ach so,

im Garten haben wir natürlich wieder mit geholfen. Abschließende Arbeiten vor dem Winter. Was daraus wird, wird man erst im nächsten Jahr sehen. Einen über Jahre verwucherten Weinstock haben wir zurück geschnitten. Wir hatten maximale küntlerische Freiheit und unsere Fachwissen aus dem Vorbeifahren an französischen Weinbergen im Februar. Das Folietunnel wurde für die nächste Saison vorbereitet. Tomaten und Paprika raus, es soll später Spinat rein.

Über die Karpaten in die Bukowina und zurück

Übers Wochenende fahren wir in den Nordosten Rumäniens in die Bukowina. Obwohl Luftlinie nur 145 Kilometer, sind es um die Berge herum über 250 Kilometer. Das ist auch gut so, wollen wir doch etwas vom Land sehen. In und über die Karpaten zu fahren ist in Rumänien recht einfach. Umschließt doch der Karpatenbogen einen großen Teil des Landes. Irgendwo am Horizont sind immer hohe Berge zu sehen.

An der Strecke liegt die Bicaz-Klamm. Die Hauptstraße führt direkt zwischen den Felswänden hindurch. An den breiteren Stellen sind die Felsüberhänge durchgängig mit Verkaufsbuden unterbaut. Das gesamte, uns mittlerweile bekannte, rumänische Sortiment wird angeboten. Fellmützen, Holzbesteck, Plastikhunde, Chinazeugs und vieles anders mehr liegt zum Verkauf aus.


Am Sonnabend erreichen wir die berühmten Klöster an der ukrainischen Grenze. Eigentlich bräuchten wir ein bis zwei Tage mehr Zeit um nur einen Bruchteil der Sehenswürdigkeiten in der Gegend zu besuchen. Leider wird es doch nur ein Schnelldurchlauf.

Der Baustil ist immer ähnlich. Eine wehrhafte Mauer umschließt einen gepflegten Innenhof. Im Fall von Sucevița kann man durchaus von festungsähnlichen Ausmaßen sprechen. Mittelpunkt ist stets eine rumänisch-orthodoxe Kirche. Das besondere an diesen Klöstern sind die Außen- und Innenmalereien der Kirchen. Biblische Szenen und Darstellungen aus dem Leben, Wirken und Sterben der Heiligen sind zu sehen. Am martialischsten geht es im Inneren zu. Hier werden die Qualen der Hölle mit allem, was die mittelalterliche Phantasie hergab abgebildet. Aber da ist Fotografieren verboten. Interessant ist, dass die ca. fünfhundert Jahre alten Malereien immer noch ihre Farben bewahrt haben. Angeblich ist deren Rezept bis heute nicht vollständig enträtselt. Am Sonnabend besuchen wir die Klöster Voronet und Sucevița. Danach übernachten wir im Auto auf einer Kiesbank am Flussufer der Moldovița.


Am nächsten Morgen zeigt das Außenthermometer unseres PKW 1°C an. Die Tautropfen auf dem Dach haben den festen Aggregatzustand erreicht. Auf der Zufahrt zum Fluss findet seit dem frühen Morgen der große Wochenmarkt von Moldovița statt und blockiert unseren Rückweg. Direkt daneben fährt eine Schmalspurbahn los. Die auf Tourismus ausgelegten Waggons sind gut besetzt. Wenn man so was im Muldental machen könnte … Schließlich finden wir über den „Hintenwegweg – Hingwagwaach“ zurück auf die Hauptstraße.


Voivodeni heißt das Dorf unserer Wahl für drei Wochen im September/Oktober 2021. Es liegt oberhalb von Târgu Mureș (sprich: Tirgu Muresch oder deutsch: Neumarkt am Mieresch) in Rumänien, nämlich hier:

So, habt Ihr vielleicht gedacht oder befürchtet, da sind sie also hingeraten. Ein Klischee wie es sich aufbauen kann, wenn man von Rumänien nur ein paar negative Berichte aus den letzten dreißig Jahren bekommen hat. Aber Rumänien in der Stadt und auf dem Land sieht ganz anders aus, wenn sich die Regenwolken verzogen haben und man nicht nur den wilden Hof des Nachbarn fotografiert (so wie ich am ersten Tag).


Wir wohnen bei Daniel (Schweizer) und Hermina (rumänische Ungarin). Das Grundstück hat wie viele andere hier im Dorf eine typisch langgestreckte Form. Unsere Unterkunft ist ein kleine Mehrzweckhalle, und sprengt alle aus diesem Jahr bekannten Dimensionen. Den Raum, für kulturelle Veranstaltungen geplant, mit acht Schlafmöglichkeiten, haben wir ganz für uns.


Bevor es richtig mit der Arbeit losgeht ist schon wieder Wochenende. Am Samstag fahren wir ein paar Kilometer über Land nach Sowata und besuchen gleich nebenan in die Salzmine in Praid.
Sowata ist ein Kurort, in dem längst wieder Schicky-Micky Einzug gehalten hat. Moderne Hotels, Boutiquen, Restaurants, Imbiss- und Souvenierbuden reihen sich aneinander. Ein Gebäude hat noch den Kurbad-Flair vergangener Zeiten. Auf dem Wanderweg wird vor Bären nach Sonnenuntergang gewarnt. Tatsächlich finden wir direkt am Parkplatz einen eindeutigen Haufen. Die Holzstege, die das Wandern über sumpfige Stellen erleichtern sollen, haben es in sich. Die Oberfläche hat stellenweise genau die richtige Mischung aus ölig und wässrig. Normales gehen ist auf der geneigten Ebene nicht möglich, Abfahrtslauf schon – ohne Skiausrüstung.


In die Salzmine Praid wird mit dem Bus eingefahren. Am Endpunkt geht es noch einmal eine lange Treppe hinunter bis zum Verbund mehrerer großer Hallen. Wer schon einmal in Merkers war, wird Ähnlichkeiten feststellen. Fittnessgeräte, etliche Tischtennisplatten und kostenpflichtige Kinderbespaßungen stehen bereit. Es gibt sogar eine Kirche mit orthodoxer Verkaufsstelle.

In der Salzmine Praid

Außen am Berg kann man Auswaschungen bestaunen. Gelangt das Salz an die Erdoberfläche formt das Regenwasser bizarre Formen. Scharfkantig und sehr salzig. Fließt das Wasser über Land, gedeihen Pflanzen, wie den Queller, die es sonst am Meeresstrand gibt.

Am Sonntag geht es zum großen Flohmarkt nach Târgu Mureș. Unmengen an Kleidung Schuhen, Werkzeugen, Elektronikschrott, Haushaltsgegenstände … aber auch das eine oder andere Schätzchen sind hier (hoffentlich) zu finden. Wie eben auf jedem anderen Flohmarkt auch.


Der große Garten soll allmählich auf den Winter vorbereitet werden. Allerlei Sorten Tomaten reifen noch im Folietunnel. Einige Bäumchen, die die Beete beschatten werden gerodet. Das halbfertige Frühbeet wird entunkrautet und ich baue eine Schalung für die zu betonierende Oberkante. Wie wir so am Garten arbeiten, ertönen unbekannte Vogelrufe. Dieses Mal sind es nicht die Perlhühner von nebenan. Bis zu drei Steinkäuze hören wir gleichzeitig in der näheren Umgebung. Von wegen Nachtvogel. Am helllichten Tag fliegen sie umher und sitzen auf dem Schornstein. Sogar ohne Teleobjektiv gelingt mir ein halbwegs brauchbares Foto. Das habe ich nämlich zu Hause vergessen. Naturgesetz auf Reisen – irgend etwas fehlt immer. Aber dank hilfsbereiter Nachbarn und DHL soll das Canon 75-300 bald in Rumänien eintreffen.

Das Dorf ist gar nicht nicht so klein. Laut Wikipedia hat Voivodeni ca. 1700 Einwohner, zwei Drittel davon Ungarn, wie unsere Gastgeberin. Kein Wunder, wir sind mitten im Szeklerland. Alles ist zweisprachig rumänisch-ungarisch beschildert. Voivodeni – ungarisch Vajdaszentivány oder auch deutsch Johannisdorf. Im Dorf findet man noch die aus der ungarischen Puszta bekannten Ziehbrunnen. Aber nicht wie im Reiseführer oder Wikipedia beschrieben als touristische Sehenswürdigkeit, sondern im täglichen Gebrauch. Noch sieht man die luftbereiften Pferdewagen in den Dörfern. Aber die lange Zeit für Osteuropa typischen Stufenhecklimousinen sind fast ausgestorben. Schrägheck oder Kombi ist 2021 die Karosserievariante der Wahl. Hin und wieder ist noch ein Dacia aus der alten Zeit zu sehen.

Ach so, Internet kommt hier größtenteils aus der Luft. LTE oder 4G – eine Box ins Fenster gestellt, nur für uns. Spendiert unser Gastgeber, 10 Euro im Monat, 30.000 liegt an, von Datenvolumen habe ich noch nichts gehört. Ach so, der Provider hat ein Symbol mit einen großem T , da gähnt der Rumäne und der Deutsche staunt.